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N e w s    I / 2 0 0 4

 

 

Spanien: Wirklichkeit

18. März 2004

Täglich besuchen wir http://www.realclearpolitics.com/ , weil diese Website einen guten Überblick über die amerikanische Presse bietet. Wer den Überblick vom Montag zur Spanien-Wahl durchliest, wird feststellen müssen, dass die Kommentierung ganz durchgängig katastrophal für Spanien ist: Schlagzeile wäre Appeasement.

Für die U.S.-Kommentatoren scheint ausgemacht, dass die Spanier Ende Juni aus dem Irak abziehen werden. Richtig ist der Einwand, dass der zukünftige Regierungschef Zapatero die schon vor den Bomben-Anschlägen geäusserte Position an ein U.N.-Mandat geknüpft hatte.

Bei allen wohlfeilen Kommentaren - auch in Europa - sollte man doch die faktische Situation im Juni abwarten:

  • Bis Ende Juni wird eine neue U.N.-Resolution vorliegen;
  • Ende Juni wird die autonomere Regierung des Irak im Amt sein und Hilfe von allen Staaten einfordern;
  • Bei aller Egomanie sollte man nicht vergessen, dass es nicht um dieses oder jenes geht, sondern um die Zukunft von 25 Millionen Menschen. Jeder Flügelschlag des bewussten Schmetterlings gibt den chaos-theoretischen Ausschlag.

Erst wenn die spanische Regierung trotz U.N.-Resolution und irakischem Hilfe-Ersuchen ihre 1.800 Soldaten abzieht, wird das alte Gesetz von der Dominanz der innenpolitisch diktierten Wiederwahl-Wünsche von Politikern (nicht Staatsmännern) in der Aussenpolitik seine Bestätigung finden.

Es scheint, dass die Medienwelt immer mehr in die Zukunft greift, um die von ihr gewollten Ereignisse zu bestimmen. Dabei weiss sie mit traumwandlerischer Sicherheit, dass ihr Fehlurteil - evtl. in der Nachlese dokumentiert - überhaupt niemanden mehr interessiert.

Man kann auch mit der umgekehrten Methode Quote=EUR machen, wie der “stern” mit seinem Titel “Die grosse Lüge” beweist. Zugegeben: wir haben den Titel nicht gelesen und werden es auch nicht tun. Aber wir verwetten unseren Kopf darauf, dass alles nichts als eine über Seiten ausgebreitete Geschichte ist, die man so will - und nur so. Die Entwicklung der Wirklichkeit wird sich nicht so gestalten, wie der Eine oder Andere das so will.

{Würde der Wille zur Wirklichkeit, wäre die Apokalypse perfekt}

 

MEMRI: Madrid-Analyse

15. März 2004

Yigal Carmon, Präsident des ausgezeichneten Internet- Dienstes zum Thema “Greater Middle East” - www.memri.de - hat den Al-Qaida-Bekenner-Brief zum Madrider Terror-Anschlag übersetzt und analysiert. Die vom Author in seinem Kommentar angeführten Beispiele sind hinreichend, um davon auszugehen, dass hier kein Schriftstück vorliegt, dass als authentisch, von Al-Qaida stammend, anzusehen ist:
http://www.memri.de/uebersetzungen_analysen/themen/islamistische_ideologie/isl_madrid_15 _03_04.html

Damit ist andererseits nicht ausgeschlossen, dass es keinerlei Verbindungen zum Netzwerk von Al-Qaida geben muss. Madrid bestätigt nur die operative Strategie der globalen Terror-AG, in Europa Fuss zu fassen:

  • Wenn in einem europäischen Land Terror-Gruppen existieren, wie z.B. die ETA in Spanien, sind in diesen Organisationen durch Al-Qaida-Führer die radikalsten Mitglieder auszumachen. Mit deren Know-How über Ressourcen findet dann eine Abspaltung von der nationalen Terror-Organisation statt, und Al-Qaida hat damit eine neue Zelle in dem jeweiligen Land gegründet.
  • In Deutschland werden sich die entsprechenden Organe fragen müssen, ob und welche Kreise hier in Frage kämen und über das notwendige Ressourcen-Wissen verfügen.

Würde man den jüngsten Verfassungsschutz-Bericht des Innenministers auswerten, würde man wohl feststellen, dass der Umfang aller Extremisten-Gruppen so gross ist, dass man hier bestimmt fünf bis zehn Leute findet, die in ihrer Psycho-Struktur einen überproportionalen Narzissmus-Faktor haben. Damit sind sie von der Psychogrammatik einer augenscheinlich stark zunehmenden Zahl von Zeitgenossen gar nicht so weit entfernt - wer will denn nicht Super-Star werden?

{Ist Herrschsucht im Koran eine Todsünde?}

 

Op-ed: possible

15. März 2004

Im Allgemeinen zu fischen, lohnt sich immer. Toyota’s Werbeagentur wird irgendwann posthum den Award für “Alles ist möglich” bekommen. Ist es möglich, eine Strategie gegen den Al-Qaida-Terrorismus zu finden? Folgt man in Deutschland beklatschten Empfehlungen bei “Christiansen” (Michael Lüders), ist alles eine Frage politischer Rationalität:

  • Würde die U.S.-Politik nur den dringenden Empfehlungen europäischer Vernunft folgen, wäre das Problem abwendbar!

Sorry, aber was alles so beklatscht wird? So man sich in der Realität befindet, ist die U.S.-Politik, die spanische, die englische, polnische, so einzusetzen, wie sie ist; wer sich etwas anderes wünscht, sollte Maler werden.

Bisher haben wir kein Argument gehört, welches Al-Qaida-Terroristen eventuell überzeugen könnte, von ihrem teuflischen Handeln Abstand zu nehmen. Die dementsprechende Analyse ergibt eher deprimierendes:

  • 1982, Libanon: Ein verheerender Anschlag mit mehr als 200 Toten lässt die schlappen Amis für immer aus dem Land fliehen;
  • 1992, Somalia: “Black Hawk down” reicht allemal für Clinton’s Abzug.

Reicht der Anschlag von Madrid für den Abzug der Spanier aus dem Irak für die neue spanische Regierung? Ist es unter Perzeptions-Strategen eine Frage, wer “on the run” ist?

Wenn man nur genau wüsste, ob man sich im München des Jahres 1938 befindet (we are not appeased). Wie Sie auch immer meinen: Garantieren kann man, dass es nicht der letzte Anlass zu grosser Trauer war. Es spricht alles dafür, dass 2004 noch vieles möglich macht. Gut ist, dass es immer noch Klugschnacker gibt, die für alles ein Patent-Rezept hinblubbern.

{Intellektuellen in der Narzismus-Kuppel ist nichts unmöglich}

 

Bw-Finanzplanung: Ende

11. März 2004

Wenn es um planerische Haushalts-Rechnungen geht, darf man ein gähnendes Auditorium erwarten; kaum jemand kann und mag mit-plotten, und der Verdacht der Manipulation wabert allenthalben.

Trotzdem präsentieren wir unsere Trend-Rechnung des Verteidigungs-Haushaltes (pdf), die

  • die Finanzplanungen für den Verteidigungshaushalt seit dem Jahr 2000 nach den entsprechenden Drucksachen des Bundestages enthällt;
     
  • die IST-Ausgaben von 2000 bis 2004 und die aktuelle Fortschreibung bis 2008 nach dem Brief des Finanzministers vom 19. Jan. 04 verzeichnet;
     
  • eine Plus/Minus-Rechnung beinhaltet, die für den Zeitraum von 2000 bis 2001 noch scheinbar positive Überraschungen enthält, aber ab 2002 richtig abgleitet.

Die Einzelheiten der Dramatik der Entwicklung sind kaum vermittelbar:

  • Da die Zahlen der 5-Jahresplanung auf dem Preisstand des Vorjahres des Planungszeitraumes beruhen, müssten - im Sinne der Substanz-Erhaltung - die IST-Zahlen gegenüber den Plan-Daten - dem Kaufkraft-Verlust entsprechend - steigen;
     
  • Vermeintliche Steigerungen der Ausgaben haben ihre Ursache in der Veränderung von tiefgreifenden strukturellen Änderungen: So ist durch die überproportionale Steigerung der Auslands-Einsätze der Bundeswehr ein neuer Kosten-Block von mehr als einer Mrd. EUR pro Jahr entstanden, der die Steigerungen des 34. und 35. Finanzplans erklärt, somit aber mit einer reformatorischen Wirkung auf die Bundeswehr nichts gemein hat;
     
  • Da Ausgaben-Bereiche des Verteidigungshaushalts wie Personal-, Materialerhaltungs- und Betriebsausgaben wesensbedingt unabweisbar sind, werden die ab 2004 zu erwartenden Kürzungen fast vollständig auf den “flexiblen” Bereich der Rüstungs-Ausgaben durchschlagen.

Politisch bedeutsam ist u.E. in diesem Zusammenhang:

  • Verteidigungsminister Struck wird - entgegen seiner bisherigen Übung, Kabinetts-Loyalität vorzuschieben - das Eichel-Diktum vom 19.1.04 nicht akzeptieren dürfen (aber er wird). In den Akten finden sich Aussagen, dass das alles auf gar keinen Fall hinnehmbar sei;
     
  • General-Inspekteur Schneiderhan hat - wie sein Minister - mehrfach geäussert, dass mit Eichel’s neuerlichen Finanz-Vorgaben seine gerade mühsam zusammengezimmerten Rüstungs-Deckel krachen;
     
  • Minister Struck will bereits am 30. März vor die Öffentlichkeit treten, um die neueste Material- und Ausrüstungs-Planung der Bundeswehr zu präsentieren.

Gerade die Vereinbarkeit der Bw-Reform mit einer realistischen Finanz-Erwartung ist ein ganz wesentliches Markenzeichen der Glaubwürdigkeit von Peter Struck; die Kriterien für den finalen Test sind sehr genau beziffert.

{Sonores Schnurren hat hier sein Ende}

 

Verteidigungs-Haushalt: bitter

8. März 2004

Wenn der SPIEGEL heute berichtet, dass Finanzminister Eichel die Bundeswehr “kaputt”spart, und Karl Feldmeyer schon einen ominösen FAZ-Bericht geliefert hat, dürfen wir natürlich nicht fehlen. Richtig ist, dass Finanzminister Eichel mit Datum vom 19. Jan. 2004 einen Brief an alle “Obersten Bundesbehörden - je 10-fach” geschrieben hat, der auch für die Verteidiger schlechte Nachrichten bringt. Im Brief heisst es:

  • “Zur Fortsetzung des Konsolidierungskurses sind bei der Aufstellung des Bundeshaushaltes 2005 und des Finanzplans 2004 bis 2008 folgende Grundsätze zwingend einzuhalten:

    Der um die Auflösung globaler Minderausgaben zu bereinigende Ausgaberahmen des geltenden Finanzplans stellt die Obergrenze für die Jahre 2005 bis 2007 dar. Obergrenze für 2008 sind grundsätzlich die bereinigten Finanzplanansätze des Jahres 2007.”

Die Entcodierung dieses Eichel-Kauderwelsch stellt sich u.E. für die Verteidiger wie folgt dar:

  • Lt. bundeswehr.de (unter “SEARCH” Haushalt eingeben) ist in 2004 ein “verfügbarer Plafond” von 24.060,7 Mio EUR verzeichnet. Direkt unter dieser Zahl befindet sich noch der Hinweis auf eine “globale Minderausgabe” in Höhe von 248,2 Mio. EUR. Demnach sinkt der tatsächliche Umfang des Verteidigungs-Haushaltes auf 23,81 Mrd. EUR in 2004.

Im nächsten Absatz des Eichel-Briefes heisst es:

  • Die im Haushalt 2004 bei Kap. 6002 Tit. 972 25 ausgewisene globale Minderausgabe in Höhe von 2 Mrd. EUR ist vom Haushaltsjahr 2005 an vollständig aufzulösen. Daher ist der doppelte Betrag des auf den jeweiligen Einzelplan im Jahre 2004 entfallenden Einsparvolumens bei den Einzelpositionen der Voranschläge anzusetzen.”

Für die Verteidiger heisst dies schlicht:

  • Ab 2005 sind von den 23,81 Mrd. EUR des Haushaltes 2004 noch einmal 248,2 Mio. globale Minderausgabe abzubuchen, so dass für 2005 grob 23,56 Mrd. EUR verbleiben werden.
     
  • In Verbindung mit dem o. a. Diktum von Minister Eichel (1. Zitat, 2. Absatz) heisst dies:
    Die neue “magische” Marschzahl des Verteidigungs-Haushaltes in der kommenden Finanzplanung bis 2008 (38. FiPl.) lautet demnach 23,56 Mrd. EUR (“gestern” waren es noch 25,2!).

Wir fühlen uns derzeit überfordert, auszurechnen, welcher Gesamtbetrag dem Verteidigungs-Haushalt über die Zeitspanne bis 2008 “flöten” geht. Würde man auch noch die Plan-inherenten Mechanismen wie Personal- und Material-Deflator mitrechnen, würde man ganz irre werden. Man darf aber wissen, dass die Rechner im Verteidigungsministerium alles im Griff und “Einen im Auge haben”: den “Neuen Kurs” des Verteidigungsministers.

{Planung ist die Vorwegnahme bitterer Ereignisse}

 

SWP: Denk-Stoff

4. März 2004

Beim wichtigsten Denkpanzer “Stiftung Wissenschaft und Politik” vorbeizuschauen, rettet den Tag. Zwei “SWP-Aktuell”-Studien sollte man sich anschauen, denn sie enthalten Denkstoff:

Wer Herrn Perthes kennt, wird feststellen, dass er seine während des Irak-Krieges in diversen TV-Darstellungen vorgezeigte Linie konsequent fortsetzt. Das Loblied auf die ach so hohe Kunst der subtilen Intelligenz europäischer Nah-Ost-Politik und die doch dagegen so dümmlich wirkende U.S.-Politik muss man gelesen haben (die Arafat-Passage auf S. 7 wird bestimmte Palästinenser sicher erfreuen, andere sehr viel weniger). Als repräsentativ für deutsches Denken zum Problem darf man das Perthes-Papier getrost einstufen. Ob es deswegen aber sinnstiftend ist, möchten wir dem Leser anheim geben.

{Missionarische Eloquenz hat auch einen Reiz}

 

D/U.S.-Politik: beharrlich

1. März 2004

Zu der durch das Schröder/Bush-Treffen wieder aufgewärmten Frage, ob sich die Bundesregierung einer militärischen NATO-Beteiligung entziehen kann, hat sich Richard Herzinger in der ZEIT lesenswert geäussert:
http://www.zeit.de/2004/10/konsequenz

Fein hat Herzinger seinen Beitrag eingeleitet:

  • Von Hans Magnus Enzensbergers Essay zur fatalen deutschen “Konsequenz”-Tugend leitet er von Gerhard Schröders Inkonsequenzen in der Innenpolitik (“Musterschüler”)zu dessen von den Deutschen “nachhaltig honorierten” Konsequenz” in der Irak/Bw-Frage.
     
  • Allerdings meint der ZEIT-Autor dann:
    “Der Kanzler dürfte natürlich ganz genau wissen, dass er diese Versicherung so nicht wird einhalten können.”
    Wenig später heisst es:
    “Das Beunruhigende an Schröders Trotzhaltung ist, dass er sich offenbar vom Druck der deutschen Öffentlichkeit - vor allem aber von der eigenen Parteibasis - genötigt sieht, an seinem cetero censeo festzuhalten, auch wenn es faktisch immer weniger wert ist.”

Bezüglich der Enzensbergerschen Inkonsequenz-Lehre möchten wir dagegen einwenden:

  • Ob fatal oder nicht: Der Bundeskanzler ist ganz sicher in einem immer konsequent - der Beachtung der obersten Belastungsgrenze der SPD-Parteitags-Delegierten und vor allem des grob ein Drittel starken linken Flügels der Bundestagsfraktion. Bei allem geht es nur am Rande um die GRÜNEN.

Beachtenswert ist, dass Lally Weymouth (für die Washington Post und Newsweek) in einem Interview
http://www.washingtonpost.com/ac2/wp-dyn/A15593-2004Feb28?language=printer
den Kanzler Schröder zu einer Antwort gezwungen hat (und G. Schröder immerhin halb-ehrlich geantwortet hat:

  • “Wir haben entschieden, uns im Irak nicht militärisch zu engagieren. Wir stehen dazu - es hat zu tun mit den begrenzten Ressourcen unseres Landes und der Tatsache, dass ich nicht in der Lage bin, die Mehrheit des Parlaments für die Unterstützung einer militärischen Operation zu erlangen” (Hervorh. d. V. - Übersetzung GP).

Wenn der Kanzler den Eindruck erwecken will, dass Deutschland nicht sehr begrenzte Ressourcen - z.B. deutsche Offiziere in Hauptquartieren etc. - für einen Einsatz im Irak zur Verfügung hätte, dann sagt er die nicht die Wahrheit. Tatsache ist, dass durch die Gesetzeslage der Einsatz eines einzigen deutschen Soldaten die Zustimmung des Bundestages erfordert.

So bleibt von seiner Interview-Antwort nur der zweite Teil als die ganze Wahrheit übrig - ganz konsequent. Und dieser zentrale Punkt gilt seit August des Jahres 2002.

{Man sollte beharrlich Nebenwirkungen vermeiden}

 

Gurken-Zeiten: ratlos

27. Februar 2004

Es ist nicht nur Freitag, sondern auch Wochen- und Monatsende. Wohin wie hören: es scheint abolute Saure-Gurkenzeit zu sein. Für die Freunde der “erweiterten Sicherheitspolitik” gilt das allerdings gar nicht. Denn die naiven Amis haben wieder zugeschlagen:

  • Wer wenigstens einigermassen informiert sein will, wird die 13-seitige Fassung zur Veröffentlichung des “2003 Human Rights Country Report” überfliegen müssen:
    http://usinfo.state.gov/xarchives/display.html?p=washfile-english&y=2004&m=February &x=20040225144407maduobba0.128338&t=livefeeds/wf-latest.html
     
  • Die vollständige Fassung erscheint derart umfangreich, dass sie nur in einem Giga-Byte-pdf unterzubringen ist. So kann man sich leider nur die ungefähr 190 Berichte einzeln abladen. Hoffentlich erledigt dies wenigestens ein Hiwi des AA für die Menschenrechts-Beauftragte der Bundesregierung, auch als Claudia Roth bekannt;
     
  • Wir befürchten, dass wenige der Aids-Schleifen-Träger sich den U.S.-Strategie-Plan zur Aids-Bekämpfung abladen:
    http://www.state.gov/documents/organization/29831.pdf
    Welchen Stellenwert das Problem in deutschen Kulturkreisen einnimmt, ist täglich festzustellen: gar nicht. Wesentlich ist, dass dabei richtig $-Knete angeschoben wird. Der Blick auf die EU-Situation ist ernüchternd. Während die Amerikaner für ganz ehrgeizige und auch abgedrehte Programme abteuerlich anmutende Finanz-Akrobatien veranstalten (dafür auch gern hämisch gescholten werden), stockt den Europäern schon bei der EU-Erweiterung der Atem angesichts des Streits zwischen der EU-Kommission und den Netto-Zahlern hinsichtlich der 2006-Debatte über die nächsten 6 Jahre der Finanzplanung (1,3 vers. 1,0); Raumfahrt- und sonstige Träume stehen gegen bis 2015 festgeschriebene Agrar-Subventionen.

Gleichzeitig ist in Deutschland von dem beliebtesten XXL ein Meinungs-Cluster in Sachen Irak zu vernehmen, welches als selbstgestricktes Mirror-Imaging deutbar ist: Man sieht den Irak im Bürgerkireg versinken und die NATO verschwindet im Klosett-Sprudel gleicht mit.

Vielleicht werden Analysten der “erweiterten Sicherheitspolitik” auch bald feststellen, dass die persönliche Psycho-Disposition eines begnadeten Betrachters in direkt proportionaler Äquidistanz zur präsumtiven Wahrscheinlichlkeit  zeitlich naher Wirklichkeit steht. Mit anderen Worten: Wenn es mir nicht so gut geht, kann es um die Welt schon gar nicht gut bestellt sein - aber das gefällt mir alles überhaupt nicht.

{Artisten in der Zirkus-Kuppel sind doch nicht ratlos}

 

U.S.-Intelligence: AIDSent

25. Februar 2004

Auch wenn alle Welt meint, dass die U.S.-Geheimdienste diskreditiert sind, wird doch die Schar der Analysten nicht umhinkommen,

Für diejenigen, die eher allgemein an der erweiterten Sicherheit auf der friedlichen Insel Europa interessiert sind, empfehlen wir, unsere Medien zu beobachten, inwieweit sie von der am 23./24. 2. 04 im irischen Dublin stattfgefundenen EU-Minister-Konferenz zum Thema HIV/AIDS  berichtet haben. Unsere amerikanischen Freunde auf http://usinfo.state.gov überschlagen sich nämlich mit Beiträgen, dass

  • UNICEF, die World Bank, die WHO und wer sonst noch, die Europäer aufgefordert haben, mehr für die Bekämpfung von HIV/AIDS zu leisten,
  • die CIA von der “Next Wave” von AIDS berichtet,
  • die U.S.-Regierung gelobt wird, weil sie 2004 mit 350 Mio. $ in das 5-Jahres-Programm einsteigt, dass insgesamt mit 15 Mrd. US$ dotiert ist.

Man könnte die Angelegenheit ja auch entspannt angehen, wäre da nicht die hervorstechende Tatsache zu bemerken, dass das uns ja sehr nahe gelegene Ost-Europa zu den Regionen gehört, in denen weltweit die rasanteste Zunahme von AIDS zu verzeichnen ist

Man wird sehen, wann die Programm-Gewaltigen der Medien-Welt, diverse UNICEF-Botschafterinnen und Botschafter, dieses Thema, z.B. für ihre Nabelschau-Sendung am Sonntag auf ARD, endlich entdecken. Garantiert verlieren dann die ewigen Gesundheits-Reform-Debatten ihren schalen Schmarr’n, sorry Charme.

{Richtige Bomben fallen ganz leise}

 

Europäische Marine: GEMCO

24. Februar 2004

Die Deutsche Marine hat einmal mehr gezeigt, wie PR für die eigene Waffengattung vom Stapel zu lassen ist: Am 17. Februar hatte man zum Flottenkommando nach Glücksburg (nahe Flensburg) geladen, um das “Generic European Maritime Concept of Operations” (GEMCO) zu präsentieren - die “maritime Dimension streitkräftegemeinsamer Operationen im europäischen Rahmen”. Zudem prangt GEMCO an prominenter Stelle auf www.bundeswehr.de, und das 15-seitige pdf-Dokument sollten nicht nur Zeitgenossen lesen, die Seebären mögen.

Immerhin: Die Befehlshaber der europäischen Marinen haben sich zusammengesetzt, sich mit ihrem Beitrag zu einem Krisen-Szenar für einen “heiklen” Einsatz beschäftigt und sich mit dem Papier der Öffentlichkeit gestellt; dafür sollte es Extra-Beifall geben.

Man muss das GEMCO-Paier schon lesen, um richtig Seite zu pfeifen:

  • “Irgendwo ausserhalb Europas”, das Bild auf S. 4 legt West-Afrika nahe, bekriegen sich die fiktiven Etnien der “Klins und Therc” in dem “fragilen und instabilen” Staat mit dem Mannövernamen Poruee; die Nachbarstaaten “Troid und Chague” müssen abgeschreckt werden. Das Einsatz-Gebiet hat eine 1.000 km lange Küstenlinie. Die Tiefe des Einsatz-Gebietes wird verschwiegen, aber es ist ein “bergiges und bewaldetes Gebiet mittlerer Grösse”.
     
  • Ab S. 7 wird der maritime Einsatz in extenso beschrieben:
    - Unisono operieren schon seit Beginn der Krise “einige europäische See- und Seeluftstreitkräfte .. vor der Küste von Poruee”;
    - Frankreich und das Vereinigte Königreich entsenden “atomgetriebene Uboote in das Seegebiet”;
    - “Aufklärungsflugzeuge mit grosser Reichweite leisten ebenfalls einen Beitrag zur Informationsbeschaffung”;
    - Aus einem gerade anderenorts stattfindenden multinationalen Seemannöver werden die Fregatten, Zerstörer und Tanker abgezogen und dampfen Richtung Poroee;
    - Dann sind zwei Flugzeugträger da, von denen man nicht weiss, ob sie nicht schon vorher dawaren;
    - Auf S. 10 erscheinen weitere deutsche, belgische, niederländische und britische Fregatten, die sich in Plymouth zur Einsatzausbildung verlustiert haben;
    - “Am Ausgang des Mittelmeeres kommt eine weitere Gruppe von Schiffen hinzu ...”;
    - Spanien, Italien, Frankreich, das Vereinigte Königreichund die Niederlande warten mit Amphibien-Schiffen auf;
    - Die NATO steuert noch Minensucher bei;
    - “Spezialkräfte” werden “mit dem Fallschirm über dem Meer abgesetzt und durch ein vor der Küste operierendes Uboot verdeckt an Land gebracht. Das mittels Brennstoffzellen angetriebene Uboot ist aufgrund seiner Wendigkeit und geringen Signatur für die flachen Gewässer von Poruee ideal geeignet” (so macht man HDW/U31-Product-Placement).

    Abschliessend (S. 14): “Drei Wochen nach dem Entsendungsbeschluss - Beträchtliche Marinekräfte befinden sich im Einsatzgebiet”.

Den militärstrategischen Knackpunkt haben sich die Autoren für den  letzten Absatz der letzten Seite des GEMCO-Papiers aufgehoben: Zwei Monate nach EU-Rats-Beschluss sind plötzlich “mehr als 50.000 Soldaten an Land stationiert”. Genau dies ist der Albtraum von Planern, das Material für diese 50.000 Soldaten in 60 Tagen in das Einsatzgebiet zu bringen, von Heer und Luftwaffe, getreu den Vorgaben des Szenars!

GEMCO ist deshalb genial, weil die Marinen in drei Wochen vor der Küste von Poruee die  gewaltigste Armada versammeln können. Aber in dem bergigem und bewaldeten Gebiet mittlerer Grösse im fernen Poruee werden nach 60 Tagen nicht 50.000 Soldaten die sich bekämpfenden Ethnien befrieden können.

Dass sich die Chefs der europäischen Marinen zur Lobby-Group zusammengeschlossen haben, beweist ihre Professionalität. Dass sich die “Bären” des wirklichen “Joint”-Gedankens aus der Deckung wagen, verhindert ihre “Truppen-Zugehörigkeit” und - notabene - die Loyalität gegenüber dem nie so eindeutig identifizierten “Dienstherrn”, der irgendwie verwandt sein muss mit dem “Dienstgrad”.

{JOINT - Gemeinsamkeit ist halt gemein}

 

Klima-Kriege: vorbei?

23. Februar 2004

Wer die Komplexität dieser Welt - und damit auch die des in intellektuellen Kreisen so beliebten “erweiterten sicherheitspolitischen Begriffes” - nicht mehr verstehen kann, steht in der Gefahr, mit Verschwörungstheorien bandeln zu müssen. Wir stehen kurz davor:

  • SPIEGEL-Online vermeldet mit dem Titel “Yodas apokalyptische Visionen” eine geheime Pentagon-Studie: Dessen ultimativer - auch von uns vereehrter - Stratege Andrew Marshall habe in einer von “Fortune” (dort nicht zu finden) und vom britischen “Observer” berichteten Studie http://observer.guardian.co.uk/international/story/0,6903,1153513,00.html
    das Ende aller Militär-Strategien verkündet, falls der klima-bestimmende Golfstrom ganz andere Wege gehe.

Wohlan, wenn es kalt wird und das Wasser immer höher steigt, wird sich der “Kampf der verbundenen Waffen” (Augen) sehr wohl etwas ändern - die “Schlagzahl” wird höher und die Bedeutung der Marine steigt.

Was der famose Online-Dienst des SPIEGEL aber nicht berichtet hat, sind die seit längerm stattfindenden Anstrengungen der U.S.-Community hinsichtlich des Klimawandel-Themas. Die hatte wenige drei Tage zuvor - teilweise - die Ergebnisse der “National Research Council” (NRC)-Studie veröffentlich:
http://www.nap.edu/books/0309088755/html/

Verschörungstheoretisch vermuten wir, dass der Ablass-Handel mit den hochgelobten Kyoto-Werten gar nicht zur Senkung der Temperaturen geeignet ist. Darüber hinaus wissen wir aber garantiert weniger als unser geliebter Online-Dienst, welche “gefühlte Bedrohung” zu welchen Rüstungsprogrammen führen sollte. Für die so positionierte Lage bleibt wohl nur noch die Ergebung. Wer hätte gedacht, dass der erweiterte sicherheitspolitische Begriff auch noch die  Meta-Ebene einschliesst. Damit macht die Diskussion noch mehr Spass - bis Aschermittwoch.

{Welcher Idiot hat denn bewiesen, dass irgend etwas “vorbei” ist?}                                     

Nachtrag (24. Febr. 2004):

Liebe Freunde haben uns den Link zu dem umfangreicheren und besseren “Fortune”-Artikel vermeldet:
http://www.fortune.com/fortune/technology/articles/0,15114,582584,00.html

 

U.S.-Rüstungs-Kooperation: Krümel

20. Februar 2004

Richtig, klingt genau wie Stoff-Mangel, vorgezogenes Wochende, Karneval. Ist auch so etwas wie ein Witz, dass wir im “alten Europa” die amerikanischen Regierung daran erinnern, dass sie morgen, am 21. Februar 04 um ganze neun Monate hinter dem Zeitplan bezüglich eines Versprechens liegt:

  • Am 21. November 2002 erklärte die Bush-Administration während des Prager NATO-Gipfels, dass sie die von der Vorgänger-Regierung am 24. Mai 2000 initiierte “Defense Trade Security Initiative” (DTSI) ausgesetzt habe und überprüfen wolle; als Bearbeitungszeit wurden sechs Monate angegeben.

Am 4. Juli 2003 haben wir mit einem Beitrag den einmonatigen Verzug der Bush-Administration vermeldet; inzwischen sind es - wie gesagt - neun Monate.

Man darf dies als ein schönes Beispiel dafür halten, was aus Sonntags-Reden beiderseits des Atlantiks zum Thema Transatlantische Rüstungskooperation werden kann. In der U.S.-Administration wird wahrscheinlich ein unglaublicher Grabenkrieg der Bürokraten mit allen beteiligten politischen und wirtschaftlichen Lobbyisten stattfinden und in Europa interessiert das Thema nur eine Handvoll von Ideologen, die kurz vor der Einweisung in die Psychiatrie stehen. Man könnte ja - zu Testzwecken - beim BDI, Abteilung Verteidigungswirtschaft, nach DTSI fragen; dass Ergebnis ist prognostizierbar.

Jüngste U.S.-Neuerung ist, dass der Verteidigungs-Handel mit all seinem bürokratischen Gedöns zügig über das Internet abgewickelt werden kann. Als zentrale Web-Site dafür ist www.pmdtc.org eingerichtet worden.

Wir sind unfähig, dem Thema verbal alles anzuflanschen, was notwendig wäre. Man befindet sich sozusagen mitten in einem unglaublichen Gewusel von zerrenden Interessen, deren Kern nur üblicher Krieg ist. Prediger abseits des Weges faseln immer von “win-win-strategy”. Die kann man auch als Weichmacher verdächtigen, die sie auch vielleicht (?) nur sind.

{Der Kuchen schmeckt nur dem, der einen Krümel erwischt}

 

Irak-Sommer: Dichter

19. Februar 2004

Beim Heraufdämmern der Weiberfastnacht Vernünftiges über den irakischen Sommer zu dichten, ist wahrscheinlich einfacher als gedacht. Man muss nur die Spreu vom Weizenbier trennen. Aus einem reichlichen Angebot von derzeitigen Tatsachen, Trend-Einschätzungen und dem “Nebel des Krieges” darf jeder im Trüben fischen:

  • Erster Fixpunkt ist, dass die Bush-Administration (bisher) den Irakern die Regierungsgewalt zum 1. Juli 2004 übertragen will. Gleichzeitig läuft die Kampagne für eine dazu passende U.N.-Resolution. Möglichst verzugsfrei soll die NATO im Irak Sicherung übernehmen, die G.W. Bush den Rücken für die Nov.-Wahlen stärkt;
     
  • Dazu kompatibel erscheint die zweite Fixierung, dass die NATO auf ihrer Ende Juni in Istanbul stattfindenden Tagung grundsätzlich und formell ihre Bereitschaft für ein Engagement (evtl. der “Prüfung” eines selbigen) abgeben wird, immer natürlich mit den Wahrzeichen des zu erwartenden Hilferufs der neuen irakischen Regierung und dem U.N.-Mandat;
     
  • Dritte, allerdings derzeitige, Festgrösse ist die Einschätzung, dass es zum 1. Juli keine irakische Übergangs-Regierung geben wird, eher einen Bürgerkrieg zwischen Schiiten und Sunniten, weil zunehmend Iraker angegriffen werden. Diese Meinung wird in einer der höchsten militärischen Amtsstuben der NATO geteilt und in Berlin, denn dort hat ein Zeitgenosse, der so etwas ist wie der deutsche Botschafter im Irak, mit seinen Einschätzungen der Lage im Sinne der o. a. Trends auf die deutschen Sicherheits-Minister einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Deshalb geht man auf diese Art gefestigte “Hoffnung” davon aus, dass vor 2005 die gesamte Fragestellung überhaupt nicht virulent wird;

In diesem Sinne ist auch Verteidigungsminister Struck zu verstehen, der sich aus der unangenehmen deutschen Lage im Interview mit der “Frankfurter Rundschau” (16.2.04) mit dem Titel herausreden konnte: “Ein NATO-Einsatz im Irak? Noch lange nicht!” Ein genauerer Blick auf die deutsche Situation darf nicht unbedingt als so erbaulich angesehen werden:

  • Der Fü S (Führungsstab der Streitkräfte), “heiliger Gral” der Bundeswehr überhaupt, hat,  im Sinne des wohlverstandenen vorauseilenden (politischen) Gehorsams, eine mündliche (!) Weisung herausgegeben, dass kein deutscher Soldat irakischen Boden betreten darf. Eine der konkreten Folgen ist, dass der Pressesprecher des NATO-Oberbefehlshaber General Jones, der deutscher Offizier ist, bei des öfteren stattfindenden Besuchen im Irak regelmässig “ge-grounded” wird.
     
  • Weil deutsche Soldaten in Stäben sitzen, die für einen NATO-Einsatz im Irak in Frage kommen (z.B. das britisch geführte ARCC in Mönchen-Gladbach), hat man hektisch nach unproblematischen Ausweich-Lösungen gesucht (und sie gefunden). Allerdings musste man später feststellen, dass deutsche Soldaten in bisher nicht so beachteten “Service”-Bereichen wie Fernmelde-Wesen und Logistik hohe Anteile halten;

Im täglichen Hin und Her, Auf und Ab, zwischen der Einschätzung strategischer Faktoren, ihren Trend-Drücken und sonstigem fast- und food-nachtäglichen Gedöns:

  • Die rot-grüne Regierungs-Koalition wird (logisch, so lange sie im Amte ist) keinen Antrag im Bundestag einbringen, der es einem einzigen deutschen Soldaten erlaubt, seinen Allerwertesten in Richtung Irak in Bewegung zu setzen; dass wusste Kanzler Schröder und seine Sicherheitsminister im Blick auf vorallem die SPD-MdB’s schon im August 2002. Wer für 2004 oder 2005 eine Änderung der diesbezüglichen Lage ausmacht, muss bestimmte Justierungswerte verpasst haben.

Die Frage nach dem Nährwert solcher Erörterungen ist u.E. relativ leicht zu beantworten: So man alle Medien-Berichte zum Thema Bw/Irak konsequent ignorieren würde, wäre der Zeitgewinn für nutzbringendere, anders geartete Tätigkeiten mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit sehr erheblich.

{Die Axt im Kopf erspart die Sicherheits-Dichter}

 

Al-Qaida: Blood up

13. Februar 2004

Wer den Ansatz verfolgt, dass man mit aktuellen Feinden in einen interkulturellen Dialog kommen sollte, wird nicht umhinkommen, den Abu Mussab al-Zarqawi zugeordneten 3-Seiten-Text zu studieren, der auf der Web-Site der provisorischen Regierung des Irak zu finden ist:
http://www.cpa-iraq.org/transcripts/20040212_zarqawi_full.html

Al-Zarqawi gehört als Verantwortlicher für Operationen im Nahen Osten der Führungsspitze von Al-Qaida an und erhielt seit Mai 2002 in Bagdad “safe haven”. Der jordanische Palästinenser befehligt dort ein knappes Dutzend Führungsverantwortliche, das ehemals nördlich von Bagdad gelegene AQ-Ausbildungslager sowie alle Operationen; ausserdem soll er oft aus dem Iran operiert haben.

Den Berichten zufolge ist einem Al-Qaida-Kurier eine Compact Disk abgenommen worden, auf der der Zarqawi-Text abgespeichert war. Auffällig ist:

  • Al-Zarqawi reklamiert 25 “Operationen” für sich, bzw. AQ, “einige davon gegen die Shiiten und ihre Führer;
     
  • Einerseits werden zwar Durchhalte-Parolen ausgegeben, aber die Hinweise, dass man vor dem Ende steht, sind überdeutlich (“we are racing against time”);
     
  • Bedeutsam ist der “rote” Faden des Papiers: Die Schiiten, immerhin muslimische Brüder, werden - unter Verwendung übler Formulierungen - als das strategische Ziel (“key to change”) von Terror-Anschlägen beschrieben. Mit den Sunniten als Kampfgefährten will Zarqawi mit aller Gewalt den “sectarian war” gegen die Schiiten herbei-bomben;
     
  • Sehr deutlich wird die Gefahr beschrieben, die mit der ansteigenden Übernahme der Sicherheit durch die Iraker aufkommt. Ihre “Verbindung” mit dem Volk wird eingesehen und die danach genannten Alternativen (S. 2, unten, sehr lesenswert) sprechen für sich. Zarqawi ist es leid, wieder die Koffer zu packen, um nach einem neuen Safe Haven zu suchen; er will gewinnen oder verlieren, er will: “Souls will perish and blood will be spilled”; für die “Guten” will er “speed up their trip to paradise”;
     
  • Für die kommenden Monate ist nach dem Text eine zunehmende Medien-Präsenz von Al-Qaida zu erwarten. Sehr bald will man über eine (vielleicht zunächst nur graduell) Eigendarstellung “in full view” entscheiden; man arbeitet “ernsthaft” an einem “media outlet” für den Jihad;
     
  • Die verzeichneten Zeitangaben sind nachrechnenswert. In der so bezeichneten “Zero-hour” will Zarqawi beginnen, das Land bei Nacht, danach auch bei Tag, zu kontrollieren. Da die Stunde Null “vier Monate” vor Antritt der neuen Regierung (1. Juli 2004) definiert ist, müsste demnach ab März 2004 Al-Qaida mit den Sunniten mindestens nachts den Irak beherrschen.

Gerade das Profil der letzten zwei Terror-Anschläge, allerdings auch die “herausragenden” der Zeit davor, weisen auf eine hohe Plausibilität des Zarqawi-Textes hin. Es liegt offensichtlich im wesentlichen in den Händen der Sunniten und Shiiten des Irak, die “Zeichen” der Realität zu erkennen. Mit permanentem Geschrei und einfältigem Verschwörungs-Fetischismus beleidigt man nur das hergebrachte Urteil, dass die Iraker ein intelligentes Volk sind. Wenn man zudem den religiösen Aspekt der Al-Qaida-“Zeichen” wahrnimmt, müsste man als Muslim nun wirklich einsehen, dass so begründetes Blutgespritze mit dem ALLMÄCHTIGEN rein gar nichts zu tun haben kann.

{Ist “blood up” das Paradies?}

 

Arte: Wehrerziehung

11. Februar 2004

In unserer Saure-Gurkenzeit hat uns das TV-Programm von ARTE gestern erheblich geholfen. Dass ja eher von französischer Intellektualität gespeiste Vorzeige-System hat unter der Rubrik “Was uns auf den Nägeln brennt” ab 20.45 115 min abgespult:

  • 45 min durfte man den von Ted Anspach geführten Beitrag über die U.S.-Sicherheits- und Militärpolitik mit dem Titel “In guns we trust” begleiten;
  • Danach folgten nochmal 45 min von Florence Fanelli zum Titel “Militärmacht Europa” mit dem Extra-Hinweis, dass dem Titel ein Fragezeichen zu eigen ist;
  • In der anschliessenden Diskussion wurden ein Kurde, ein Bosniake und ein Afghane zum Thema Krieg befragt - das war gar nicht wie die Kaffee-Kränzchen aus deutschen TV-Runden vor und während des Irak-Krieges.

Gut erinnern wir uns an die vergangenen Berichte von ARTE; sie waren (nach hinten) oft “besser” als bestimmte der BBC. Gestern hat eine Wende stattgefunden, die notizwürdig ist:

  • Die Fairness gegenüber den vormaligen Hegemonen im Beitrag “In guns we trust” war einfach grandios;
  • In “Militärmacht Europa?” haben die Europäer sehr differenziert und konditioniert auf den Punkt ihr Fett abbekommen.

Wir möchten nicht wissen, welche Szenen sich in den entsprechenden Redaktionen von ARTE abgespielt haben. Jeder links-liberale Multipolar-Franzose (oder Deutsche) wird schäumen, wenn er solche Wehrerziehung ertragen muss. Glücklich kann sich jeder schätzen, der über die artigen Videos verfügt.

{Schade um die Propaganda-Zombies vergangener Zeiten}

 

XL. München: Matrix

9. Februar 2004

Eingedenk unserer Erfahrungen von der 39. haben wir die 40. Münchener Konferenz für Sicherheitspolitik von zu Haus virtuell verfolgt. Den TV-Sender PHOENIX wollen wir wegen seiner 8h XL aus München loben und für alle Interessierten die Website verzeichnen, von der sicherheitspolitische Obsessionisten einiges abladen können:
www.securityconference.de

Vielleicht finden ja mehr Leute als wir die Rede von Aussenminister Fischer als bestenfalls orakelhaft. U. E. ist sie ein Meisterstück in Sachen rhetorischer Filibusterei:

  • Zunächst erinnert Joschka Fischer an die “unterschiedlichen Sichtweisen”, u.a., “welche Auswirkungen ein Krieg im Irak für die regionale Stabilität haben würde”.
    Anschliessend reklamiert er sich aber an die Spitze der reformerischen Nahost-Politik:
    “Unabhängig von der Kontroverse um den Irak teilen wir seit längerem (sic!) die Überzeugung, dass nach dem 11. September 2001 nicht nur die USA den Status Quo im Nahen und Mittleren Osten nicht mehr hinnehmen können, sondern dass dies auch für Europa, ja für den Nahen Osten selbst gilt.”
     
  • Dann kommt Fischer (S. 4) zu der richtig klingenden Einsicht, dass
    “die Europäische Union und die USA ihre Fähigkeiten, ihre Mittel und ihre Projekte zu einer neuen transatlantischen Initiative für den Nahen und Mittleren Osten zusammenführen.”

    Aber dann wird nach Fischer daraus auf einmal ein “gemeinsamer Mittelmeer-Prozess der NATO (!) und der Europäischen Union”. Dass die NATO nicht gerade ein sicherheitspolitisches, sondern verteidigungspolitisches Instrument ist, darf man als Allgemeinbildung eigentlich voraussetzen.
     
  • Welche handwerkliche Qualität der in gut bezahlten Amtsstuben entworfene Fischer-Text hat, kann man auf S. 6 nachvollziehen:
    - Erst ist von einer “Erklärung” die Rede;
    - danach plötzlich von einem “Vertrag”.
    Selbst der Unternehmensberater Roland Berger würde bei einem Honorar von 3.000 EUR/Mann/Tag attestieren, dass zwischen einer Erklärung und einem Vertrag ein honorar-weiter Unterschied besteht.
     
  • Nach dem wir den TV-Bericht von BAYERN3 gesehen haben, scheint von der Fischer-”Idee” nur noch die “Freihandelszone” übrig zu bleiben. Recht so: Besonders die nordafrikanischen Staaten beklagen die brutale Zoll-Politik und die für deren Landwirtschaft tödlichen Agrar-Export-Subventionen der EU. Man wird in den nächsten Monaten sehen, ob der deutsche Aussenminister seine ach so wohlfeilen Vorschläge nachhaltig in die national-brutale Brüsseler Interessen-Mühle eingeben wird. Wir wetten schon heute: 2 x 6 Flaschen Sekt feinster Aldi-Qualität dagegen (wir erhöhen auch!).

Verteidigungsminister Struck, der gern die Eröffnungsrede gehalten hätte, hat sich irgendwie wacker geschlagen. Seine Forderung nach einem 2. “Harmel”-Bericht der NATO hört sich so berauschend an, als hätte man gerade seinen Joint genommen. Auch wirklich niedliche Sätze waren dabei, deren Logik erst einmal erarbeitet werden muss:
“Wir verzichten auf das, was sie (die Bw) nicht braucht und sich folglich nicht mehr leisten kann!” Diese Muster-Argumentation ist nichts anderes als der Quantensprung in der Henne/Ei-Frage.

Einmalig ist aber Struck’s Begründung für den Nicht-Einsatz der Bundeswehr im Irak, denn bisher haben der Bundeskanzler oder verantwortliche Minister dafür keinerlei Begründung  genannt. Man lade sich das Interview des Verteidigungsministers mit Bettina Hunold von securityconference.de herunter und lese:

  • “Nein, ich habe wiederholt gesagt, dass es keinen Einsatz der Bundeswehr im Irak geben wird. Dafür sind unsere Truppen nicht ausgebildet” (Hervorheb. d. Verf.). Ausserdem liegen für einen solchen Einsatz im Irak derzeit die politischen Bedingungen nicht vor.”

Im Sommer 2004 werden die politischen Bedingungen für den Einsatz eines “robusten” Mandats der Friedenssicherung im Irak durch eine U.N.-Resolution und eine provisorische irakische Regierung vorliegen. Bis dahin unverändert wird aber sein, dass vor allem in der SPD keine Zustimmung für eine deutsche Beteiligung zu erreichen sein wird; auch der allseits geschätzte Partei-Kumpel Müntefering wird das nicht ändern (wollen, können).

Der “Teufel” der konservativen Intellektualität, Donald Rumsfeld, hat nicht umsonst zu Ende seiner Rede gefragt, warum ein mittelmässig begabter Mensch (hier: Koreaner) seine Gliedmassen für eine “Sache” hinhalten soll, die weitentfernt seines Landes geschieht. Die Folge-Frage ist (leider) viel wichtiger: Welche Regierung ist denn so blöd, ihren Machterhalt dafür zu opfern? Es dürfte kein Geheimnis sein, die dies die “Königsfrage” der Sicherheitspolitik ist.

Abschliessend mögen wir konzedieren:

  • Die Israelis sind nicht sonderlich gut beraten gewesen, ihren General Eiland, Direktor des Nationalen Sicherheitsrates des Staates Israel, ins Rennen zu schicken. Der muss in der morgendlichen Eile weder sein Hemd richtig zugeknöpft noch seine Brille gerade aufgesetzt bekommen haben. Inhaltlich war er so auf Krawall gebürstet, wie sich jeder Gegner Israels das nur wünschen kann;
     
  • Der Aussenminister der Palästinensischen Autonomie-Behörde, Nabil Shaath, war dagegen die Verkörperung der Hoffnung:
    - Da er seine Rede frei vortrug, war die Wirkung dementsprechend (man kann nur hoffen, dass die Teltschik-Truppe den Text noch auf die Website hievt);
    - die Kompetenz war nachvollziehbar, auch aufgrund seines Hinweises auf seine Teilnahme an den wichtigen Konferenzen des letzten Jahrzehnts;
    - geradezu revolutionär waren die Bemerkungen von Minister Shaath hinsichtlich der Beurteilung der amerikanischen Friedensbemühungen der Vergangenheit; Kommentatoren jeglicher Provenienz müssten sich mächtig die Augen reiben.

Eine gewisse Form von Wehmut kommt schon auf, nicht “vor Ort” gewesen zu sein. Allerdings vergeht sie schnell, wenn man via TV die unnachahmlich näselnde Arroganz bestaunen darf, die sich in tiefschürfender Kompetenz eher schwierig verankert. Als unbezahlte Beratungs-Gesellschaft können wir nur empfehlen, über BOEING-Gerüchte hinaus gehende Konsequenzen zu kleistern.

{Auch virtuelles Dabeisein hat seinen Matrix-Charme}

 

CIA/Tenet: unknown

6. Februar 2004

Im Krieg gegen die “Central Intelligence Agency” hat sich nun deren Heerführer, George J. Tenet, mit einer beachtlichen Breitseite in die Counter-Offensive begeben. Am 5. Februar hat der “Director of Central Intelligence” sich mit einer knapp 11-seitigen Rede an der Georgetown University derart positioniert, dass man von Mutmassungen, dass er abgelöst werden würde, getrost Abstand nehmen kann:
http://www.cia.gov/cia/public_affairs/speeches/2004/tenet_georgetownspeech_02052004.html

Meinungsmacher müssen heutzutage mit ihren Kommentaren vorsichtig sein, denn das Internet revolutioniert die Kolummnisten-Szene: Jedermann/frau kann sich im Handumdrehen den Streitpunkt der Kolummne beschaffen, selbst lesen und auch urteilen, ob der Kolummnist  sauber und fair kommentiert hat.

Tenet’s Rede ist u.E. ein Musterbeispiel guter Krisen-Rhetorik:

  • Alle Fragen werden direkt angesprochen, in den entsprechenden Zusammenhang gestellt und differenziert sowie konditioniert abgehandelt;
  • Die sachliche “Härte” ist beachtlich, die Kritik der Kritik ist unmissverständlich, klar (und berechtigt);
  • Die Aufarbeitung des Hergangs wird präzise abgerollt, die “Dramaturgie” der Rede ist hollywood-reif (insbesonders S. 6 f.);
  • Fehler und Schwächen, aber auch Erfolge (Khan, Libyen und 2/3 Al Qaida) werden deutlich beschrieben (dagegen S. 8: es wird noch fünf Jahre dauern, bis der “clandestine service” wieder aufgebaut ist);
  • Die Werte-Orientierung wird über den gesamten Text verstreut und nachhaltig reklamiert.

Nicht so sehr im “alten” Europa, aber in den USA selbst wird das Tenet-Bombardement seine Wirkung nicht verfehlen, denn man muss in der Sache kompetenter als Tenet sein.

Am besten ist es natürlich, Sie lesen den Text selbst - und wir wetten über das US-Medienbild (zwei seit langem gewonnene Bierkästen haben wir immer noch nicht!).

{Tenet-Trost für Andersmeinende: “Verstand handelt mit Unbekanntem”}

 

Australien: Oscar

5. Februar 2004

Die Geschichte ist kurz und erscheint belanglos: Der australische Verteidigungsminister, The Honorable, Robert Hill, hat den “Defence Capability Plan 2004 - 2014” (190 S.) veröffentlicht:
http://www.defence.gov.au/dmo/id/dcp/dcp_04_final.pdf

Für den Verteidigungsbereich, der in bestimmten Fragen genauso der langfristigen Planungs-Darstellung bedarf wie beispielsweise Renten-Fragen des Jahres 2030, werden alle australischen Rüstungs-Projekte äusserst detailliert aufgeführt. Mit dieser Maßnahme hat die australische Regierung u. E. den diesjährigen “Verteidigungs-Oskar” verdient; das ist ein pures Goldstück einer offenen und demokratischen Gesellschaft.

Im Ranking der nächsten Demokratie-Plätze folgen die USA, das Vereinigte Königreich und Frankreich; sie haben alle ihre Rüstungsprojekte wenigstens bis 2008 offengelegt. Das deutsche Verteidigungsministerium kann sich noch bis ungefähr März 2004 damit herausreden, dass das “Material- und Ausrüstungs-Konzept” für die Bundeswehr noch nicht fertig ist. Spätestens dann wird sich zeigen, ob Verteidigungsminister Peter Struck erstmals mit der Tradition all seiner Vorgänger bricht und - für eine demokratische und offene Gesellschaft selbstverständlich - detailliert die Rüstungsplanung darstellt und nicht mit einer Geheimhaltungs-Politik fortfährt, bei der der Kalte Krieg noch immer Pate steht, oder besser, die Insolvenz verschleiert werden soll.

Man muss sich aber auch an die eigene Nase fassen. In der auf bundeswehr.de abzuladenden “Weisung für die Weiterentwicklung der Bundeswehr”, die Minister Struck am 1. Oktober 2003 erlassen hat, wird in Ziffer 18 der Leiter des Presse- und Informationsstabes des BMVg gebeten, “bis Mitte Oktober 2003 in Zusammenarbeit mit Herrn Generalinspekteur ein Konzept zur internen und externen Informationsbedarfsdeckung (sic!) vorzulegen”. Bis heute ist es uns nicht gelungen, dieses “KonzInfoBedaDeck” zu bekommen. Die Erklärung dafür ist ganz einfach: Wir haben es gar nicht versucht, weil wir nicht im Traum denken würden, dass das Ministerium dieses Papier an diese verdammten Journalisten herausgeben würde. Ausserdem haben wir - ebenfalls - nicht im Traum die Erwartung, dass sich die Informationspolitik des BMVg “australisiert”.

{Informationspolitik ist Flächen-Bombardement - Nebenschäden incl.}

 

Op-ed: Intelligence

4. Februar 2004

In den U.S.A. und dem Vereinigten Königreich hebt nun eine gewaltige Debatte um die Intelligenz der Geheimdienste an. Es ist ein Schauspiel, dessen Ausgang gewiss ist: Ein nie endender Krieg, blut- und relativ hirnlos.

Jüngste Beispiele (alle vom 3. Febr. 2004) sind:

  • Richard L. Russell, ehemaliger politisch-militärischer Analyst der CIA, jetzt Professor an der Elite-Universität der amerikanischen Streikräfte, der “National Defense University”: www.ndu.edu , feuert in der “Washington Times” (“Time to vet CIA spies”) eine Breitseite gegen die CIA-Direktion hinsichtlich der Schwächen der “Human Intelligence” (HUMINT) und zählt (lesenswert) alle Schächen der CIA auf;
     
  • David Brooks watscht in einer Kolummne der www.nyt.com die “Method and Madness” der CIA ab. Er sieht in der Methologie das Problem und wünscht sich statt kalter wissenschaftlicher Analyse Individuen, die “Intuition, Erfahrung und einen Überblick über die Realität” haben;
     
  • Der Brite John Keegan, hochzuachtender Militär-Experte, schreibt im britischen “Telegraph”: www.telegraph.co.uk unter der Überschrift “Inquiry is pointless - intelligence is always open to interpretation” wirklich sauberes. Allein die “megalomaniac world” des Saddam Hussein ist Bölkstoff genug. Auf sein demnächst erscheinendes Buch über die naturgemäss “very mixed history” der Geheimdienste der letzten 100 Jahre darf man gespannt sein.

Ohne auch nur annähernd Sachverstand über Intelligence zu haben, behaupten wir einfach:

  • Die Amis sind schon heftig kritisiert worden wegen ihrer hauptsächlichen Abstützung auf “elektronische Geheimdienst-Arbeit” (ELINT). Nach unserer Mit-Koppelung der Medien-Berichte des letzten Jahres haben sie ihren “langen Ohren” eine Menge Erfolge zu verdanken;
     
  • Die HUMINT-Forderung hört sich ja nun wirklich ganz toll an; würde man allein gar nicht drauf kommen. Leider hat sich noch niemand, der diese wohlfeile Forderung aufstellt, damit hervorgetan, operative Umsetzungen zu beschreiben;
     
  • Der allereinfachste Weg, Maulhelden aller Art ihre Intelligenz vorzuführen, ist offensichtlich:
    Wer den Eindruck erweckt, mit nur ordentlich organisierter Geheimdienst-Arbeit könne man weltweit jede finstere Angelegenheit zeitgerecht abschmettern, ist mehr als ein Clown. Dass sich solche Dümmlichkeiten einschleichen dürfen, ist der beste Beweis, dass man selbst zu den “zerfallenden Staaten” gehört.

Für die blühenden Bundes-Landschaften der deutschen Szenerie wird wahrscheinlich niemand auf die Idee kommen, die Wirksamkeit von www.bundesnachrichtendienst.de zu untersuchen:

  • Wieviel HUMINT’s hat der BND im operativen Einsatz (weltweit, wo)?
  • Welche ELINT-Kapazitäten hat er?
  • Was hat er in Sachen Irak eigentlich alles vermeldet?
  • Welche operativen Probleme ergeben sich aus der Schnittstellen-Problematik BND/Verfassungsschutz, insbesondere hinsichtlich der gesetzlichen Vorgaben?
  • Waren die politischen Konsequenzen (PR der Hiszbolla: weitere Gefangennahme von israelischen Soldaten zwecks weiterer Freipressung) des kürzlich vom BND ausgehandelten Gefangenen-Austausches vorhergesehen, eingeplant - oder war alles nur Teil deutscher Intelligenz?

Lieblichst ist ja die Frage, wer wirklich die Arbeit der Dienste von innen kennt und sie (mit Abstand) repräsentativ und offen beschreiben kann. Helfen wird es ehedem nicht, denn niemand liest diese Wälzer und lässt sich, vor allem wegen seiner politischen Position und Intention, von ihnen beeindrucken - schon gar nicht die Journaille, deren “Geheimnisse” fast nie thematisiert werden.

{Geheimes ist einfach schön - wenn es so bleibt}

 

U.S.-Verteidigungs-Haushalt: + 400

3. Februar 2004

Wer - zu welchem Zweck auch immer - Argumentations-Pulver gegen die amerikanische Militär-Maschinerie braucht, wird sich an den Daten für den gestern veröffentlichten U.S.-Verteidigungshaushalt für den Zeitraum Okt. 2004 - Sept. 2005 (FY 2005) in Höhe von 401,7 Mrd. US$ reichlich bedienen können:
http://www.defenselink.mil/comptroller/defbudget/fy2005/index.html

Es wäre nur zu wünschen, dass das deutsche Verteidigungsministerium gezwungen wird, derart detailliert seine Bücher zu öffnen.

Interessant sind die Zahlen, die in der allgemeinen Presse-Veröffentlichung bezüglich der geplanten Ausgaben bis 2009 für die einzelnen Ausgaben-Bereiche verzeichnet sind:

  • Bis 2009 steigt der Verteidigungshaushalt in Schritten von jährlich rund 20 Mrd. US$; das entspricht einer jährlichen Steigerungsrate von nominal 5 %, real grob 3 %.
     
  • In 2005 beanspruchen die Personal-Ausgaben (Military Personnel) der Freiwilligen-Armee rund 105 Mrd. $ (also rund 25 %), die Ausgaben für den Betrieb und die Material-Unterhaltung (Operation & Maintenance) 140 Mrd. $. Damit sind 61 % des Gesamthaushaltes reine Betriebsausgaben. Im deutschen Haushaltssystem konsumieren die Betriebsausgaben rund 75 % des Haushaltes; die darin enthaltenen Personalausgaben rund 50 % des Gesamt-Haushaltes.
     
  • Im Fiscal Year 2004 liegt der Unterschiedsbetrag zwischen der reinen Rüstungs-Beschaffung und dem Bereich Forschung/Entwicklung/Test/Erprobung (RDT&E) noch bei nur 10 Mrd. $ (Beschaffung 75, RDT&E knapp 65 Mrd. $). Bis zum FY 09 stagnieren die RDT&E aber bei 70 Mrd., während das Beschaffungs-Volumen kontinuierlich auf 114 Mrd. $ in 2009 steigen soll.
     
  • Bezüglich eines bestimmten Waffensystems waren wir doch neugierig, wie es bei unseren des öfteren so deklarierten Freunden zu Buche steht: MEADS (Medium Extended Air Defense System), Flugabwehr-System, hier sehr umstritten, “letztes” deutsch-amerikanisches Kooperations-Vorhaben, mit einer Preisflagge von 3 Mrd. US$ gehandelt, somit hochpolitisch belastet.
    - Im FY 2004 ist MEADS mit 249,4 Mio. $ unter RDT&E gebucht, im FY 2005 mit 264,5 Mio. $.
    Im MEADS-Konsortium sind die USA mit einem Kostenanteil von 55 % gebunden, die Deutschen mit 28 % und die Italiener mit 17 %. Verfährt man nach der Milchmädchen-Rechnung (US mit 250 Mio. $ = 55%), setzt $ und EUR 1:1, müssten im Verteidigungshaushalt 2004 ca. 127 Mio. EUR für MEADS zu finden sein. Da der tatsächliche Betrag nur in den sog. “Geheimen Erläuterungs-Blättern” zum Haushaltsentwurf aufgeführt ist, wird nur sehr strafbelegter Geheimnisverrat Lüftung verschaffen
    (vgl. GP, 15. Sept. 03).

Zurückgelehnt, kann man schon in allem eine gewisse Relativität erkennen, vielleicht sogar eine Unschärfe-Relation, allein wegen des Wechselkurses!

{Irgendwo im Haushalt liegt noch eine Flasche Klar- und Wahrheit}

 

Grüne Sicherheit: Profiler

2. Februar 2004

Die “Guss”-Geschichte muss man vorsichtig angehen: Auf www.bits.de (> “Neuigkeiten” > “Neue Veröffentlichungen ...” > 30. Januar: “Für eine Sicherheitspolitik aus einem Guss”) ist eine insgesamt 28-seitige Konzeption für eine neue deutsche Sicherheits- und Verteidigungspolitik zu finden; als Author firmiert Otfried Nassauer, der seit grob 20 Jahren als sicherheitspolitischer Berater der GRÜNEN gilt und Chef des “Berlin Information-center for Transatlantic Security” (bits) ist. Seine Arbeit, die von einer kleinen Gruppe Gleichgesinnter diskutiert worden ist, “entstand im Juli und August 2002” (kein Schreibfehler). Andererseits ist festzustellen, dass BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN seit noch längerer Zeit kein geschlossenes sicherheitspolitisches Konzept vorgelegt haben (im Gegensatz zu allen anderen Parteien). Wir schätzen, dass der Bits-Text dem Umfeld der GRÜNEN als sehr nahe zuzuordnen ist.

Die Elemente der Nassauer-Konzeption haben Wiedererkennungs-Wert:

  • Nicht selbstverständlich ist der Ausdruck des eigenen politischen Willens:
    “Weltordnung muss gestaltet werden - in all ihren Dimensionen ...” (S. 2). Und leichtfüssig wird diktiert:
    “Ob sie will oder nicht - die EU wird zu einer global agierenden Gestaltungsmacht für eine künftige multipolare Weltordnung” (S. 7).
     
  • Was den Titel der Arbeit prägt (“... aus einem Guss”) ist nichts anderes als die altbekannte Diktion des “erweiterten Sicherheitsbegriffs”, der einerseits unglaublich richtig klingt, aber von seinen Protagonisten noch nie ehrlich ausdifferenziert worden ist (äussere Risiko-Begegnung ist operativ kein allgemeines Volksgemurmel populistischer Polit-Deklaratoren, sondern ein “Glasperlen-Spiel” von vermeintlichen Ober-Seminaristen);
     
  • Analysten werden in der Bits-Arbeit auf den Punkt zutreffende Formulierungen des Ist-Zustandes und für die humanistische Korrektur dessen Forderungen finden, die schon längst abgegriffen sind;
     
  • Was hilft es, die Reduzierung der allgemeinen Diskussion auf “neue Risiken” zu beklagen, wenn man selbst anschliessend dieselben als “Restrisiken” genau so definiert (S. 4 f.)?
     
  • Geradezu hintersinnig muss die Debatte um den Begriff der “Polarität” angesehen werden. Jeder bessere Pisa-Schüler wird nicht verstehen können, wie “Pole” kooperieren können. Die Bits-Experten verschmieden (das darf man ihnen nicht allein vorwerfen) den physikalischen Unsinn sogar in die neu erscheinende Phrasendresch-Maschinen-Kombination von der “kooperativen Multipolarität”. Als Restposten der Physik verbleibt:
    “Teil der (europäischen, d. Verf.) Verantwortlichkeit ist es aber auch, neben der Bereitschaft eine globale Rolle zu übernehmen, selbst zur Zusammenarbeit mit anderen Polen fähig zu sein”.
    Texaner würden das klarer ausdrücken.
     
  • Einen verbalen Drahtseilakt der Extra-Klasse bieten die Formulierungen bezüglich der militärischen Fähigkeiten Europas (S. 8). Aber zum Schluss des Kapitels 4 wird die Luft immer dünner, könnte aber bei Bedarf argumentativ erheblich aufgeblasen werden:
    Was heisst bitte-schön, “Aufgaben in Kooperation mit der NATO zu erfüllen”?
     
  • Aus allen Rohren allerweltposaunt ist die Europäisierung der Bundeswehr:
    “Die Modernisierung der Bundeswehr, die Neuausrichtung deutscher Streitkräfte muss deshalb europäisch orientiert werden.”
    Dann folgt aber die operative Guideline (S. 9):
    “... dass ihr bei der Weiterentwicklung der ESVP eine gewichtige (aber nicht die alleinige) Führungsrolle zufällt”. Wenn man eine “gewichtige” Rolle spielt, ist das dann eine “Führungsrolle”? Oder steht man damit bereits in Verdacht, die “alleinige” spielen zu wollen? Hat es je eine funktionierende Co-Führungsrolle gegegben?
     
  • Üblich deutsch wird hinsichtlich der “deutschen Führungsrolle” auf S. 11 f. abgehoben. Es scheint geheime Wunderwaffen-Nischen zu geben, in denen die Deutschen “im Idealfall” durch Rüstung Lücken schliessen, “die zugleich Schwachstellen der NATO und der USA” (!!!?) sind; da ist man dann doch vom Donner gerührt und muss sich ganz mächtige Informationslücken eingestehen.
     
  • Dass die Bundeswehr wehrplicht-frei mit abfallend 180.000 - 150.000 Oliven ihre grüne Aufgabe erledigen kann, darf man voraussetzen, und:
    - “Bei der Auswahl der Bewerber muss vor allem auf das Kriterium der Bildungsfähigkeit ein besonderes Gewicht gelegt werden” (S. 12) - etwa bisher nicht??
    - “Multinationale Operationen erfordern bis auf die taktische Ebene hinlängliche Fremdsprachenkenntnisse und verbesserte Kenntnisse über andere Ländern” (Guck mal, wer da spricht! - S. 15).
     
  • Im entscheidenden Absatz “ Haushalt” (S. 14 ff.) schickt man die Leute nach Rüstungslage nach Hause und kommt - irgendwie homöopathisch und trotzdem “sozialverträglich” (S. 13) - doch granatenscharf auf einen Investitions-Anteil von 30 %!

Im “Anhang” des Gusses - den “Empfehlungen zum Weiterdenken” - sind neben doch sehr genuin parteipolitisch gefärbten Denk-Verboten auch echte und “Blüten” zu entdecken:

  • “Die ‘Zivilmacht Europa’ bietet aus ihrer Geschichte und mit ihren vielfältigen, erprobten Instrumenten und Erfahrungen nicht-militärischen Handelns in potentiellen Krisengebieten gute, wenn nicht exzellente Voraussetzungen für eine strategisch orientierte Sicherheitspolitik” (S. 23) - seit wann ist Europa eigentlich Zivilmacht?;
     
  • “Rüstungskontrolle und Nichtverbreitung wurden als Instrumente zwischenstaatlicher, rechtlicher Verregelung geschaffen. Dies schränkt ihre Wirkmöglichkeit gegenüber nicht-staatlichen Akteuren ein, denen aber ihrerseits eine wachsende Bedeutung in der Sicherheitspolitik zukommt” (die gefährlichen Proliferateure sind staatliche!);
     
  • Lieblich ehrlich ist:
    “Fertige Antworten für ein effizientes Einwirken auf nicht-staatliche Akteure mittels Rüstungskontrolle und Nichverbreitung gibt es dagegen nicht. Sie müssen gesucht und gefunden werden. Wir regen an, diese Aufgabe mittels eines Forschungsprgramms anzugehen ...”;
     
  • Man sollte sich davor drücken, als Deutscher mit unseren europäischen Freunden in Gespräche oder gar Verhandlungen verstrickt zu werden, die deren “Laxheit” in Sachen Rüstungs-Export betreffen (S. 27);
     
  • Gänzlich zustimmen können wir nur dem letzten “Weiterdenken”-Satz:
    “Für die Streitkräfte steht künftig eher weniger, dann mehr Geld zur Verfügung”.

So sorry, aber wir haben ein anhaltendes, analytisches Grundproblem für die Entwicklung des  “visionären SOLLs”:

  • Was ist das taktische, operative, strategische IST?
  • Welche Ressourcen stehen (für die Veränderung des IST) zur Verfügung?
  • Mit welchen Verfahren sind die Interessen umzugenerieren?
  • letztlich: welches “Profil” haben “Führer”, welchen “Wert” haben ihre “Intentionen”?

{Werden Sie “Profiler” für Visionäre}

 

Hutton-Report: klebt

29. Januar 2004

So sorry, wir haben noch keine Zeile gelesen, aber wenigstens abgeladen - den Hutton-Report:
http://www.the-hutton-inquiry.org.uk/content/report/huttonreport.pdf (allerdings ohne die grob 350 Seiten “Anhänge” des Dokuments).

(Dass die ARD mit ihren Wickert’schen “Tagesthemen” sich gar nicht angesprochen fühlt, durfte man dem Kommentar von Andreas Chicowicz entnehmen. Von der gesamten, natürlich nur im anglo-amerikanischen Raum geführten, Debatte über das (noch immer nicht gelöste) Rätsel der irakischen WMD (z.B. Kay, Pollack, BBC-Dokumentation) war der NDR-Kommentator ganz offenbar völlig unberührt. Wir entschuldigen uns wirklich für die blitzartig in uns aufkommende Assoziation, im Führer-Bunker nur noch BBC hören zu wollen. Und aus den wallenden Nebeln von Avalon winkt Arundhati Roy ihrem Ulrich aus Mumbai zu).

{Die BBC hat den Button}

 

ETAP: betäubend

28. Januar 2004

Es ist ja nicht verborgen geblieben, dass die Europäer (insbes. F und UK) übergrosse Rüstungsindustrien haben, Steuergelder verschwenden und dauernd Besserung geloben. So schleppen sie beispielsweise drei Flugzeug-Muster (Eurofighter, Rafele, Gripen) mit sich, die sich im Konkurrenzkampf über dem eigenen Hoheitsgebiet die tollsten Schlachten, vor allem mit der amerikanischen Konkurrenz, liefern

Im Juli 1998 haben die die sechs grössten europäischen Rüster (UK, F, D, I, Sp, Sw) den sog. “Letter of Intent” (LoI) unterzeichnet, der die Harmonisierung des Wehrbereichs vorsieht; im Juli 2000 wurde das sog. LoI Framework Aggreement unterzeichnet. Für die industrielle Seite unterschrieben die sechs LoI-Staaten das “European Technology Aquisition Programme” (ETAP, nicht zu verwechseln mit der tollen F-Hotel-Kette), welches die Entwicklung eines gemeinsamen Kampflugzeuges (bemannt oder unbemannt) sowie Kampfwert-Steigerungen für eingeführte Systeme erbringen soll. Bis 2011 sollen die Partner-Nationen dafür 1,5 Mrd. EUR zusammentragen; davon sollen auch Demonstrator-Exemplare finanziert werden.

Ein ETAP-Programm zur Datenlink-Technologie ist bereits unterschrieben; auf fünf weiteren Technologie-Feldern liegen Vereinbarungen unterschriftsreif, aber “¥n hold”, vor:

  • Sensor-Technologie,
  • Integration von Subsystemen,
  • Signatur (Stealth),
  • Avionik-Architektur,
  • Fragen des operativen Bereichs von Flugsystemen.

Im Kernbereich des ETAP-Projektes hat sich Frankreich jedoch abgesetzt: Am 26. Juni 2003 erklärte die französische Verteidigungsministerin Michele Alliot-Marie, dass man national 300 Mio. EUR bereitstellen wolle, um bis 2008 einen Demonstrator für ein unbemanntes Kampfflugzeug (Unmanned Combat Aerial Vehicle, UCAV) bereitstellen wolle; begünstigte Firmen sind Dassault, Thales und Snecma. Entscheidend ist, dass Schweden (mit SAAB) am 22. Dezember 2003 und Griechenland (Hellenic Aerospace) am 22. Jan. 2004 dem Projekt beigetreten sind.

Das Vereinigte Königreich und Italien werden als LoI/ETAP-Staaten kaum finanzielle Beiträge liefern wollen, denn UK hat sich mit 2 Mrd. $, Italien mit 1 Mrd. $ dem amerikanischen Projekt F-35 (Joint Strike Fighter - JSF) angeschlossen, dem nach 2010 einzuführenden bemannten Kampflugzeug-Typ.

Die deutsche Politik wird sich zu dieser Frage natürlich äusserst bedeckt halten:

  • Allein die unbeschreiblich negative Finanzlage und -entwicklung lässt keinerlei Verpflichtung zu;
     
  • Die Planung der Luftwaffe ist mit ihren 68 Eurofightern und 43 kampfwert-gesteigerten Tornados (Zahlen ohne Ausbildungs- und Nuklear-Rolle) für die Aufgabe des Luftangriffs (incl. Aufklärung/Recce und Bekämpfung gegnerischer Flugabwehr/SEAD) bis weit über 2015 ausgebucht.
     
  • Eine Bw-interne Studie zum Thema “Wirksamkeit von unbemannten Luftangriffskräften” aus 2001 schmeichelt der UCAV-Euphorie keinesfalls. Generell sagt die Untersuchung, dass das Verhältnis von bemannten zu unbemannten Systemen 1:3 sei. Dass U(C)AV’s für die Aufklärungs- und SEAD (Suppression of Enemy Air Defense)-Rolle sehr gut geeignet sind, ist leicht einsehbar. Aber bei reinen Luftangriffs-Einsätzen zeigt sich anhand des französischen UCAV-Projekts sehr schnell, dass es dabei nicht um richtige Alternativen geht:
    Das F-UCAV soll zwei (!) 250 kg (!)-Bomben tragen. Zum Vergleich: Ein ordentlicher Kampfbomber älterer Tage liegt ungefähr in der Klasse von grob 8 Tonnen Bomben-Traglast.
     
  • Es kommt nicht von ungefähr, dass Dassault Aviation - und nicht die übermächtige EADS - den Zuschlag erhalten hat. Der (knappe) Mehrheits-Eigentümer Marcel Dassault hat in den letzten zwei Jahren kein berauschendes Jahres-Ergebnis vorlegen können; das Unternehmen ist immerhin so französisch, dass sich die EADS als 45 %-Miteigner vor kurzem erst durch drastische Interventionen einen näheren Einblick in die Firma verschaffen konnte. Aus französischer Regierungs-Sicht müssen die (autarken) strategischen Ausrichtungen der EADS auf amerikanische (Northrop-Grumman) und israelische (IAI) UAV-Modelle “befremdlich” wirken.

U.E. ist die ETAP/UCAV-Geschichte mitsamt der beachtenswerten und “aggressiven” schwedischen Technologie-Politik (für die Griechen reicht unser Grips nicht) sehr amüsant. Für die Validierung der Strategeme erfolgreicher Politik wollen wir uns allerdings aufs Warten setzen, denn der Konsum irdischer Zeit ist so lieblich betäubend.

{Sun Tsu sagt: “Die rechte Tat im Fluss der Zeit ist ein tiefes Geheimnis”}

 

CDU/CSU: Ruheraum (incl. Nachtrag)

27. Januar 2004

Die CDU/CSU wird heute ihren 6-seitigen Antrag
“Für eine moderne Bundeswehr als Pfeiler einer verlässlichen Sicherheits- und Verteidigungspolitik Deutschland”
in der Fraktions-Sitzung abnicken und in den Bundestag einbringen; der vollständige Text müsste eigentlich auch auf cducsufraktion.de
(siehe Nachtrag) erscheinen. Irgendwann, in zwei/drei Monaten wird es dann wahrscheinlich irgendeine Möglichkeit geben, den Antrag im Bundestag in “verbundener Debatte” mit einem gleichklingenden Thema abzuhandeln - und abzulehnen.

Ob die Verteidigungs-Experten der Union gut beraten waren, einen nach allen Gähn-Regeln gestelzten Erbauungs-Katalog aufzuwerfen, sei dahingestellt. Dabei bietet das Gliederungs-Muster von Bundestags-Anträgen eine gute Möglichkeit, das eigene Anliegen zu profilieren. Denn eingangs heisst es: “Der Deutsche Bundestag stellt fest:”; danach folgt der Absatz: “Der Deutsche Bundestag fordert die Bundesregierung auf:”.

Der Oppositions-Antrag lässt deutlich werden, dass die Union den Aspekt der “Heimat-Verteidigung” gegen terroristische Angriffe in der Bundeswehr-Reform von Minister Struck unterbelichtet sieht. Von der Sache her ist dies durchaus zutreffend. Sozialdemokraten und BündnisGrüne sind überaus allergisch, wenn es um “Bundeswehr-Einsätze im Innern” geht. Hätte sich die Union darauf konzentriert, die Forderung nach einem “integrierten Gesamtverteidigungskonzept” (siehe Ziff. 4) detailliert zum zentralen Angriffspunkt zu schmieden, hätte sie einen Kompetenz-Gewinn mitnehmen können.

Einer unserer liebgewordenen Freunde pflegt zu fragen, wer denn in Deutschland bei biologischen Angriffen zuständig sei. Nach dem Jauch-Muster bieten wir an:

  1. die Bundeswehr?
  2. die Feuerwehr?
  3. die Poliswehr?
  4. die Bundesgrenzschutz-Wehr?

Die Antwort verraten wir natürlich nicht, denn wir möchten endlich einmal e-mails bis zum Abwinken bekommen; wir haben die SKL nicht als Sponsor und deshalb ist das eine Frage der Ehre.

{Im Ruheraum ist nähmlich auch Ruhe im Raum}

Nachtrag:

Der Text sowie die lesenswerten Erläuterungen von Christian Schmidt, MdB, sind zu finden unter:
http://www.cducsufraktion.de/Meldungen.aspx?hash=c2VjdGlvbj0xJnN1YnNlY3Rpb249NSZpZD0 xMDkxJg==&control=18520118312079401761252461718410522512018144

 

Very british: Gratulation

26. Januar 2004

So sorry, wir müssen unseren geliebten Briten wieder die “Awards” übergeben:

Unbedingt lesen muss man “Die ZEIT”:
http://www.zeit.de/2004/05/bbc

Jürgen Kröning schreibt über die absolute Mediengrösse “BBC” und deren “Kelly”-Geschichte. Würden die deutschen Medien-Mogule (von -ARD und ZDF) ihre “Lessons-learned” beherzigen, wäre einiges fällig (zur deren Entlastung sei angemerkt, dass man einige “Experten” aus alten Tagen neuerdings aus USA vermisst - hat es da “Einschläge” gegeben?).

Die BBC-Doku über die Angelegenheit haben wir teilweise verfolgt: Anerkennung!

Die zweite “very british”-Geschichte betrifft den “Bundesrechnungshof” unserer Freunde. Was die bezüglich der Kosten- und Zeit-Überschreitung der britischen Rüstungsindustrie hinsichtlich spezieller Rüstungs-Projekte herausgefunden haben, spottet jeder Beschreibung:
http://www.nao.gov.uk/publications/nao_reports/03-04/0304195.pdf

Interessant bei der ganzen Geschichte ist gar nicht, wieviel “blame” auf die englischen Häupter segelt. Deutsche Heroen sollten sich vielmehr fragen, wie vor-demokratisch, wilhelminisch und warschauerpakterisch Berlin eigentlich immer noch ist:

  • Der deutsche, Bismark nicht ganz unähnliche, Verteidigungsminister Struck, kann immerhin “verkoofen”, dass die Deutschen janzze 26 Mrd. von den unsinnige Rüstungs-Quatsch kassiert haben: Bravooo!;
     
  • In dem Beifalls-Getümmel jeht völlig unter, was hic et nunc Sache ist; im März 2004 (oder so) lurens (wissen wir evtl. näheres).

Kein deutscher Bundesrechnungshof-Bericht und kein Bericht des deutschen Verteidigungsministeriums wird jemals diese “britische” Qualität erreichen. Demokratie ist so einfach zu messen; Deutsche wissen es immer noch nicht.

{Bist Du wirklich “ehrlich”}

 

Neocons, Rebellen: lesen

23. Januar 2004

Hin und her schwankend, für heute eine Fehlanzeige zu melden, möchten wir doch zeigen, dass wir nicht gar so faul gewesen sind und wenigstens etwas gelesen haben:

  1. Der selbsterklärte Neo-Konservative, Max Boot, Senior Fellow in Sachen Sicherheitspolitik am Council on Foreign Relations (cfr.org), hat in der Zeitschrift “Foreign Policy” den Aufsatz “Think Again: Neocons” veröffentlicht:
    http://www.foreignpolicy.com/story/cms.php?story_id=2426&PHPSESSID=11aa27ba057 1ca2a7362f3862fd18a24

    Vorsicht: Dieser Aufsatz ist nur für Zeitgenossen geeignet, die noch vorurteilsfrei zu lesen und Denken im Stande sein wollen. Max Boot (ja, man zuckt: muss auch ein Jude sein) nimmt anhand von neun Schablonen-Argumenten gegenüber der vermeintlichen Neocon-(US)-Administration Stellung.
     
  2. Leider kostet der 14-seitige Beitrag von Peter Maas in der “New York Times” (nytimes.com) vom 11. Januar, “Professor Nagl’s War”, inzwischen 2,95 $. Der Autor berichtet von U.S.-Major John Nagl, der als Soldat im Golfkrieg 91 Dienst tat, sich zwischenzeitlich intensiv mit der Kriegführung gegen Aufständige (Counterinsurgency War) beschäftigt hatte und Buchautor zum Thema wurde und sowie Professor in West Point. Peter Maas hat Major Nagl zwei Wochen lang in seinem jetzigen Dienst begleitet: Er ist derzeit “Operations Officer” eines 800 Soldaten umfassenden Bataillons der 4. U.S. Infantrie-Division, die im sunnitischen Dreieick stationiert ist und Anti-Rebellen-Krieg führt.

    Den Titel seines Buches über Rebellen-Krieg hat John Nagl bei T.E. Lawrence (Lawrence von Arabien, “Die sieben Säulen der Weisheit”) entlehnt: Lernen, die Suppe mit einem Messer zu essen. Allerdings werden auch die Schwächen der irakischen Rebellen erwähnt:
    “Die Dienstgrade sind zusammengesetzt aus Ex-Baathisten, Islamisten, einer geringen Anzahl von ausländischen Kämpfern, Kriminellen und schmutzig-armen Männern, die einverstanden sind, auf einen vorbeifahrenden Konvoy eine raketen-getriebene Granate für 500 $ abzufeuern.” (Anfangs ist in den Sicherheitsdienst eintretenden Irakern ein Monatslohn von 60 $ angeboten worden; fast die Hälfte der Kandidaten hatte den Dienst später quittiert).

    Im November 2003 wurden 40 Anschläge pro Tag auf die Amerikaner ausgeführt. Im Dezember fiel der Durchschnitt auf 20.

    Die wichtigste Lehre ist am Schluss des Artikels zu finden:
    “Das Ziel, welches die Vereinigten Staaten in Irak zu erreichen hoffen -- ein erfolgreicher Anti-Rebellen-Krieg, der sich nicht über Jahre hinschleppt und nicht eine grosse Summe von Getöteten beinhaltet -- ist nie von irgendeiner Armee erreicht worden.”

    Andererseits meldet die Nachrichtenagentur AFP (22.1.04) die Einschätzung von General Raymond Odierno, Kommandeur der 4. Infantrie-Division, dass in 6 Monaten “einige Normalität” eintreten wird (allerdings sind seine sonstigen Differenzierungen auch mitzulesen).

Bei innerdeutschen Diskussionen mit Experten haben wir immer wieder das Urteil gehört, dass die Amis wohl ein bisschen zu blöd für den Rebellenkrieg sind; die Briten sind im (ruhigen) Schiiten-Dreieck mit ihrer Nordirland-Erfahrung sowieso besser und die Deutschen mit ihrem Hammelburg schon gar. Theoretisch mag das ja richtig sein - aber den praktischen Test wollen wir doch lieber vermeiden. Bereits vor dem Beschluss hätten wir einen politischen Toten: den (die) Bundeskanzler(In).

{NeoGermans: Immer schön friedlich}

 

Arundhati Roy: im Krieg

22. Januar 2004

Arundhati Roy, indische Schriftstellerin, ist im Verlauf des Irak-Konflikts zu einer der intellektuellen Ikonen des Widerstands geworden, auch in Deutschland. Inzwischen wird sie augenscheinlich als geistige Speerspitze der weltweiten Anti-Globalisierungs-Kampagne betrachtet. Ob das wirklich alles so geistreich ist, was Frau Roy von sich gibt, kann jeder anhand ihrer Rede prüfen, die sie am 18. Januar 04 auf dem 4. Weltsozialforum in Mumbai gehalten hat:
http://www.jungewelt.de/2004/01-20/003.php

So einfach ist die Welt zu erklären:

  • “Jedenfalls ist neuer Imperialismus bereits über uns gekommen. Es ist eine remodellierte, modernisierte Fassung dessen, was wir einst kannten. Erstmals in der Geschichte hat ein einziges Imperium mit einem Waffenarsenal, das die Welt an einem Nachmittag auslöschen kann, komplette, unipolare wirtschaftliche und militärische Hegemonie. Es wendet verschiedene Waffen an, um unterschiedliche Märkte aufzubrechen. Es gibt kein Land auf Gottes Erden, das sich nicht im Fadenkreuz amerikanischer Marschflugkörper und IWF-Scheckbücher befindet.”
     
  • “Arme Länder, die geopolitisch von strategischem Wert für das Imperium sind oder einen ‘Markt’ haben, der privatisiert werden kann, oder um Gottes Willen wertvolle natürliche Ressourcen wie Öl, Gold, Diamanten, Kobalt, Kohle besitzen, müssen sich wie angeordnet verhalten, oder sie werden zu militärischen Zielen.”
     
  • Ganz einfach gedacht sind die Empfehlungen:

    - “Um etwas zu gewinnen, müssen wir ... in etwas übereinstimmen: dass es nicht eine überlappende, vorherbestimmte Ideologie braucht, in die wir unsere geschätzten, aufrührerischen argumentativen Selbsts hineinzwängen. Es bedarf keines bedingungslosen Untertanengehorsams gegenüber der einen oder anderen Form von Widerstand, um alles andere auszuschliessen. Es könnte eine Minimalagenda sein.”

    - “Ich schlage vor, dass wir auf einer gemeinsamen Abschlusszeremonie von Weltsozialforum und Mumbai Resistance zwei wichtige Unternehmen auswählen, die von der Zerstörung Iraks profitieren .. Wir könnten ihre Büros in jeder Stadt und in jedem Land der Welt lokalisieren. Wir könnten sie jagen, zur Schliessung zwingen.”
    (Es kann sich eigentlich nur um Bechtel und Halliburton handeln - d. Verf.).

Beruhigend zu wissen ist, dass Frau Roy als letzten Satz gänzlich unpazifistisch ausgerufen hat:
“Aus diesen Gründen müssen wir uns als im Krieg befindlich betrachten.”

Sollten Sie sich auch gern mit irgend jemand “als im Krieg befindlich betrachten” mögen, empfehlen wir die vorherige Reklamierung des Status als Künstler, Intellektueller. Mit dem Rückgriff auf den “amerikanischen Imperialismus” geniessen Sie garantiert “Mainstream” und mit der Berufung auf das GG, hier inbes. Art. 5, Abs. 1, 3, närrische Freiheit. Wenn RTL das Thema erst entdeckt, ist die Quote garantiert (in die Jury werden die bekannten Verschörungstheoretiker bestellt).

{Unterm Sternenbanner macht der Widerstand wenigstens Kneten-Spass}

 

U.S.-Präsident Bush: special calling

21. Januar 2004

Die 215te “State of the Union Message”, gesprochen von George Walker Bush, hat für aussenpolitische Fragen knapp die Hälfte der applaus-freien Zeit von ca. 40 min. konsumiert. Der Rest war Fragen der amerikanischen Innenpolitik gewidmet, die streckenweise an beliebte deutsche Themen erinnerte: Gesundheits-, Steuer-, Bildungspolitik usw.:
http://www.whitehouse.gov/stateoftheunion/2004/print/index.html

Auch in der Nachbereitung auf CNN wurde ganz deutlich: Bis zum November d. J. ist in den USA jede Äusserung nichts als Wahlkampf, egal ob Innen- oder Aussenpolitik; und das schwappt auch noch in die Medienpolitik unserer Kulturschaffenden über, die Bush gerne von Deutschland aus abschiessen möchten (grausige Zeiten stehen bevor).

U. E. sind zwei Passagen der (dritten) Bush-Message nachdenkenswert, auch in Hinsicht darauf, was demokratische Präsidentschaftskandidaten dazu sagen werden:

  • “For diplomacy to be effective, words must be credible - and no one can now doubt the word of America.”
    (Die Beispiele Libanon 1982, Somalia 1991 und die Clinton-Politik sind offensichtlich die entscheidenden Beispiele für die Wahrnehmung von Terroristen der Al Qaida-Sortierung gewesen, dass die Amis “on the run” gehen, so man ihnen nur Bomben vor die Füsse wirft).
     
  • Die Demokraten werden sich mit dem Wehklagen von Senator Tom Dashle (D) herumschlagen müssen, der in seiner Erwiderung auf Bush populistisch fragte, wer denn neben all den aussenpolitischen Fragen an die Nöte der Amerikaner denke.
    Amtsinhaber Bush meint:
    “America is a Nation with a mission - and that mission comes from our most basic relief ... yet we understand our special calling: This great Republic will lead the cause of freedom.”
    (Dies ist ein strategisches Thema; hiervon werden entscheidende Impulse ausgehen).

Unbestritten ist, dass die Bush-Politik die zu ca. 50 % wählenden U.S.-Bürger in eine bisher nicht erlebte Parteilichkeit getrieben hat. Empfohlen wird aber, in aller Ruhe den Herbst dieses Jahres abzuwarten, denn auch die entscheidenden Wechsel-Wähler legen sich erfahrungsgemäss erst rund zwei- bis drei Wochen vor der (November-)Wahl fest. Andererseits kann die Journaille für sich reklamieren:

{Krähende Hähne sind der Tod des wohltuenden Schlafs}

 

Gudera-Rücktritt: Geschichte

20. Januar 2004

Gestern hat Heeres-Inspekteur Gert Gudera erneut ein Gespräch mit Verteidigungsminister Struck geführt. Seinem obersten Dienstherrn hat er die Bitte um Versetzung in den einstweiligen Ruhestand “gemeldet”. Minister Struck hat sein Ansinnen bedauert, aber ihm entsprochen. Zwischen den Bezeichneten wurde vereinbart, zu näheren Begründungen keine Auskunft zu geben (ideal für Medien-Kommentare). Ende Februar (statt Dezember) wird es wohl einen wie immer pfundigen Zapfenstreich mit der ominösen “Macht der Liebe” auf dem Exerzierplatz des Verteidigungsministeriums geben, bei dem der seit längerem designierte Hans-Otto Budde (Jhg. 48) die Gudera-Geschäfte übernimmt; Budde, “geborener” Fallschirmjäger, interessiert sich natürlich für “Geschichte” (siehe Mönch-Handbuch 1999).

Aus “objektiver” Heeres-Sicht können die Ergebnisse der Sitzung des Militärischen Führungsrates (MFR) vom vergangenen Freitag (16.1.) nicht der spezielle Grund für die Demission von Gert Gudera gewesen sein. In der dreistündigen Sitzung des MFR sind die genaueren Ausplanungen für die neue Streitkräfte-Struktur 2010 diskutiert worden (beachte: es gilt, vom Kuchen der 10.000-Reserve-Truppe des General-Inspekteurs äquivalent abzuknabbern):

  • Bei den Eingreif-Kräften kämpft das Heer um ein zusätzliches Brigade-Äquivalent;
     
  • Ausserdem wünscht man sich, dass die Stabilisierungs-Kräfte des Heeres gestärkt werden;
     
  • Der Streitkräftebasis (SKB) ist ein Einbruch in die Heeres-Domäne gelungen:
    - Bei den Eingreifkräften wird die Schnittstelle für die Logistik auf der Ebene der Division liegen;
    - die Logistik-Schnittstelle zu den Stabilisierungskräften liegt auf der Brigade-Ebene;
     
  • Für die die Logistik hat also zukünftig die SKB die sog. Prozess-Verantwortung. Nebenwirkung ist, dass die Logisitik-Schule des Heeres zukünftig von der SKB geführt wird;
     
  • Die Grobstrukturen des Heeres müssen feinjustiert und vor allem:
    die “Mengengerüste” für die Ausrüstung müssen nachdefiniert werden.

Alles klingt nicht so, dass man gleich den Hut nehmen müsste. Es ist wie im Leben:

  • alles nun wirklich nicht schön, aber man kann es schlucken;
  • die Rahmenbedingungen sind ungünstig, aber es ist ein gangbarer Weg.

Ende Januar/Anfang Februar ist das nächste Zeitfenster für die genauere Ausplanung, die General-Inspekteur Schneiderhan letztlich zu verantworten hat.. Bis dahin gilt die Weisheit der früher so beliebten TV-Kinder-Sendung von Michael Schanze:

{“Ob es stimmt oder nicht, sagt uns gleich das Licht”}

 

180 Eurofighter: nehmen und?

19. Januar 2004

Selbst in Kreisen der deutschen Verteidigungs-Elite ist es en vogue´, die Zahl von 180 deutscherseits zu bestellenden Eurofightern zu hinterfragen. Alle Truppen von Marine bis Heer wünschen, dass die Luftwaffe endlich ihre Klatsche bekommt, denn die Herrschaften verfrühstücken bald 70 % des Beschaffungs-Volumens exklusiv für sich. Übersehen bleibt dabei freilich, dass Luftmacht als solche im perspektivischen Trend militärischer Macht als solcher schlicht die Nr. 1 ist. Allgemeines Staunen rufen Zahlen hervor, die Verteidigungsminister Struck ins Volk streut; demnach schmilzt die Herren-Truppe von 700 auf 200 Flugzeuge. Das Beispiel zeigt, wie Kommunikation in die Irre läuft:

  • 1990 hatte die Luftwaffe 746 Überflieger:

    - 462 Flugzeuge für die Aufgabe “Luftangriff”;
    - 151 für die Luftverteidigung;
    - 133 für die Ausbildung.
     
  • Im Jahre 2003 zeigt der Zahlen-Spiegel 426 “Kampf-Flugzeuge”:

    - 221 Flugzeuge für den Luftangriff
    - 93 Luft-Verteidiger;
    - und 112 Ausbilder.
     
  • Für das ewig weit erscheinende 2015 plant die Luftwaffe noch 262 bemannte Flieger:
    - 134 Luft-Angreifer;
    - 68 Luftverteidiger;
    - 60 Ausbilder.

Schaut man auf die Typen-Sortierung der Agenda 2015, dann fliegen in 7 Geschwadern der Luftwaffe:

  • 177 Eurofighter (drei laufen noch zu!) in Luft-Angriffs- und Verteidiger-Rolle und
  • 85 Tornados, die mit Aber-Millionen kampfwertgesteigert werden (allein im Haushalt 2004 mit 77 Mio. EUR im Kapitel Wehrforschung) für ihre Aufgabe als Aufklärer, elektronische Counter-Fighter und die undiskutierte Status-Rolle als “nukleare Teilhabe”-Flaggschiffe. Erwähnenswert dabei ist, dass nach der alten Luftwaffen-Planung im Jahre 2016 noch ganze 225 Tornados fliegen sollten.

Alternative Nobel-Preisträger hollywood-trächtiger Visionen müssen vorsichtig zu Werke gehen:

  • Unbemannte Luftverteidigungs-Flieger sind selbst heutzutage noch nicht auf der Agenda;
     
  • Unbemannte Luftangriffs-Flieger sind höchstens in der Aufklärungs- und Elektronik-Kampfrolle in realistischer Animation. Wenn es um das reine Bombardement geht, stehen 3 UCAV (unbemannte Kampf-Luft-Vehikel) für einen bemannten Flieger.

Generell werden Alternativen zu den so teueren bemannten Fliegern nur Roboter-Forderungen generieren, deren Preisschild nicht weniger gesellschaftsfähig ist. Das “Team Luftwaffe” wird sicherlich in absehbarer Zeit die “unbemannten” Träume servieren. Der Deal wird schmackhaft gemacht werden: Gibst Du mir die unbemannten Prestige-Flieger, opfere ich Dir ein ganzes Geschwader (über die Aufklärungs- und ELOKA-Rolle sollte man wirklich mal reden, aber nicht im üblichen Sinne).

{Sun Tsu sagt: “Nimm und gib”}

 

Rüstungs-Planung: klären

16. Januar 2004

Der Gesellschaft ist die Botschaft ja schön verkauft worden: Die 26 Mrd. EUR, die in der langfristigen Rüstungsplanung der Struck-Bw-Reform gestrichen worden sind, waren ja nur so etwas wie die Blütenträume vergangenheits-verhafteter Militärplaner. Es verbleibt doch noch viel Zeit, dies in aller Ruhe zu untersuchen.

So man sich die Zahlen anschaut, wie sich das Streichkonzert auf die Teilstreitkräfte sowie den Bereich Forschung/Entwicklung/Erprobung aufteilt, ergibt sich schon eine grobe Ahnung (verzeichnet ist das gestrichene Volumen der sog. Überplanung in den genannten Zeiträumen, in Mio. EUR):

  • Heer:
    - 2005 bis 2009: 759;
    - 2010 bis 2012: 3.427;
    - 2013 ff.: 11.062;
    - zusammen 15.248 Mio. EUR.
     
  • Luftwaffe:
    - 2005 bis 2009: 293;
    - 2010 bis 2012: 652;
    - 2013 ff.: 2.077;
    zusammen: 3.023 Mio. EUR.
     
  • Marine:
    - 2005 bis 2009: 659;
    - 2010 bis 2012: 2.855;
    - 2013 ff.: 2.737;
    zusammen: 6.251 Mio. EUR.
     
  • Streitkräfte-Basis
    - 2005 bis 2009: -130;
    - 2010 bis 2012: 75;
    - 2013 ff.: 750;
    zusammen: 695 Mio EUR.
     
  • Sanitätswesen:
    - 2005 bis 2009: 70;
    - 2010 bis 2009: 243;
    - 2013 ff.: 407;
    zusammen: 719 Mio. EUR.
     
  • Forschung, Entwicklung und Erprobung:
    - 2005 bis 2009: 268;
    - 2010 bis 2012: -159;
    - 2013 ff.: -49;
    zusammen: 59 Mio. EUR.

Umgerechnet auf die Zeiträume ergeben sich die folgenden Streich-Summen:

  • 2005 bis 2009: 1.919 Mio. EUR;
    2010 bis 2012: 7.093 Mio. EUR;
    2013 ff.: 16.984 Mio. EUR;
    zusammen: 25.996 Mio. EUR.

Beachtlich ist, dass immerhin bis 2009 “nur” knapp 2 Mrd. EUR gestrichen werden. Wir erinnern uns an vorherige Zahlen, die Fehlbeträge von rund 7 Mrd. EUR allein bis 2007 anzeigten. Es bedarf noch einiger Zeit und Arbeit, die Szene aufzuhellen.

Bis heute muss sich die deutsche Regierung, die sich als demokratisches Mustermodell versteht, den Vorwurf gefallen lassen, dass sie in Sachen Rüstungspolitik eine Geheimhaltungspolitik fortschreibt, die tatsächlich die letzte Bastion ist, die aus den Zeiten des Kalten Krieges fast unberührt fröhlich fortlebt. Solange Verteidigungsminister Struck in Sachen Rüstung nicht mit umfangreichen Zahlen und Daten offen und konkret beweist, dass die Rüstungsplanung mit den Finanz-Daten tatsächlich in Übereinstimmung gebracht worden ist, werden solche Verklärungs-Strategien irgendwann in diesen runden Beton-Becken enden, die meist am Rande von Städten zum Wohle des Wassers werkeln.

{Sagen Sie nicht: “Wir klären das noch!”}

 

Bw-Reform: reicht’s?

14. Januar 2004

Sorry, wenn wir am heutigen Tage, an dem die Zeitungen voll mit VM Strucks gestriger Reform-Konferenz sind, auch noch unseren Löwen-Senf verbreiten wollen. Aber wir machen es kurz mit der These: Die Funktion des Heeres bezüglich ihrer “Stabilisierungsfunktion” ist u. E. nach der neuen Konzeption in Frage; es ist immerhin unser sicherheitspolitisches “Brot- und Butter”-Nutella.

Bisher konnte das Heer mit fünf Divisionen in der 5-er-Rotation rund 5.000 Soldat(en)innen (und mehr) in den Stabilisierungs-Einsatz auf den Balkan oder nach Kabul schicken. Nach der Struck-Planung, die allerdings erst im Jahr 2010 abgeschlossen sein wird, verändern sich die dementsprechenden Bezugsgrössen heimlich:

  • Das Heer wird 18.000 Eingreif-Kräfte zu stellen haben:
    eine Division mit
    - dem “Overhead” und einem Fernmelde-Bataillon, zus. 1.000,
    - 7.300 MilPers für die sog. Divisions-Truppen,
    - 2 Kampf-Brigaden mit 6.200 MilPers,
    - 1 Luftlande-Brigade mit 3.500 MilPers sowie
    - rund 1.000 sonstigen Spezialisten,
    -
    Diese Kräfte werden für die NATO Response Force sowie für das European Headline Goal abgebucht und stehen wegen ihrer speziellen Ausbildung und Ausrüstung nur für die Kriegführung, nicht für die Konflikt-Beruhigung, zur Verfügung.
     
  • Aus dem Topf des Heeres bleiben über für die Stabilisierungskräfte (Heeres-Anteil 33.000):
    - fünf annähernd gleichstrukturierte Brigaden mit einer Kopfstärke von je 3.800 MilPers,
    - eine Luftlande-Brigade der Division Spezielle Operationen (DSO) mit 3.500 Mann/Frau sowie
    - eine luftmechanisierte und eine Heeresflieger-Brigade der Division Luftbewegliche Operationen (DLO) mit 3.400 und 4.100 MilPers.
    Hier unterstellt wird, dass zumindest die zwei letztgenannten “Luft”-Brigaden strukturell nicht dazu angelegt sind, allgemeines Rekrutierungsfeld für Kosovo/Afghanistan-Operationen zu sein.

Folgt man dieser etwas vereinfachten Darstellung der geplanten Grobstruktur des “Heeres 2007”, verbleiben für die allseits geforderte 5er-Rotation (2 Jahre Auslandseinsatz-Pause) nur die besagten fünf Brigaden mit je 3.800 MilPers und dem “Reserve-Pool” der Luftlande-Brigade der DSO mit 3.500 Soldat(en)innen. Rein rechnerisch senkt sich damit das “Stabiliserungs”potential des Heeres auf 4.500 MilPers. Man kann es auch anders sehen: Das Potential von 18.000 Eingreifkräften “erhöht” das Kriegsführungs-Potential. Aber auch das hat einen Preis: Genau gesehen verfügt das deutsche Heer nach dieser Reform noch über eine einzige kriegstaugliche Panzer-Brigade mit zwei Panzer-Regimentern und einer Panzer-Grenadier-Brigade. Für die “Zivilmacht” Deutschland müsste das doch reichen?

{Es reicht, wenn es reicht}

 

Irak-Arsenal: reckless

13. Januar 2004

Wer immer noch an der Frage interessiert ist, wie sich die Geschichte mit den Massenvernichtungs-Waffen des Irak zugetragen hat, sollte “Spies, Lies, and Weapons: What Went Wrong” (15 S.) von Kenneth M. Pollack lesen, veröffentlicht im “Atlantic Monthly” (Jan/Febr 04):
http://www.theatlantic.com/issues/2004/01/media-preview/pollack.htm

Kenneth Pollack war CIA-Analyst für die CIA und während der Clinton-Aera 1995/96 und 1999/2001 Mitglied des National Security Council des U.S.-Präsidenten. 2001 erschien sein die Öffentlichkeit sehr beeinflussendes Buch “The Threatening Storm: The Case for Invading Iraq”. Darin argumentiert er nach eigenem Bekunden, die USA sollten letztlich Saddam durch Krieg beseitigen, bevor er Nuklearwaffen besitze; zudem seien alle anderen Optionen fehlgeschlagen.

Im etwa sechsmonatigen Vorfeld des Irak-Krieges waren Artikel oder Erklärungen von Pollack immerhin so pro Bush-Administration, dass sie vom wichtigsten Internet-Sender des U.S.-Aussenministeriums für “öffentliche Diplomatie”, usinfo.state.gov, permanent im Wortlaut verbreitet wurden.

Ohne Frage, Pollack ist gewissermassen reumütig, aber er zeichnet eine Reihe von Gründen auf, wie das wohl grösste Desaster der “Intelligence Community” zustande gekommen ist. Einige Punkte seien hervorgehoben:

  • Im Frühjahr 2002 habe er an einer Konferenz teilgenommen, an der u.a. knapp zwanzig ehemalige Waffen-Inspektoren der UNSCOM teilgenommen haben. Auf die Frage, ob jemand bezweifeln würde, dass der Irak an einer geheimen Zentrifugen-Anlage arbeite, habe sich niemand gemeldet. Im Gegenteil: Drei Teilnehmer meinten, der Irak würde sogar eine Calutron-Anlage betreiben!
     
  • Der Bundesnachrichtendienst habe die “rauheste” Sicht Aller gehabt: Der Irak sei fähig, Nuklearwaffen innerhalb von drei Jahren zu bauen!
     
  • Die Tätigkeit der U.N.-Waffen-Inspekteure im Irak von 1991 bis 1998 hatte einen fatalen Effekt: Die Geheimdienste vernachlässigten ihre eigenen Anstrengungen ganz erheblich.
     
  • Ein heikler Punkt ist auf S. 12 zu finden. Pollack führt 4 Zitate (2 Bush, Bolton und Cheney) an, in denen IF-Sätze zu finden sind: Falls Saddam angereichertes Uran bekommt, kann er die Bombe innerhalb eines Jahres bauen. Pollack nennt diese Aussagen nicht unwahr, kritisiert aber, dass sie die implizierende Wirkung auf die Öffentlichkeit gehabt hätten, dass die U.S. Intellegence Community annehme, dass Saddam innerhalb eines Jahres über Nuklearwaffen verfüge, falls die USA nicht agieren würden..

    Rein sachlich ist einzuwenden, dass nicht derjenige, der IFFIES in seiner Sprache verwendet, für die Verkürzung seiner Aussage verantwortlich ist; schuldig sind die Verkürzer. Trotzdem lautet der Lehrsatz für Ihre Kommunikation: Verwenden Sie niemals das Wörtchen FALLS.
     
  • U.E. beginnt Pollack einen Seiltanz, der selbst “reckless” ist:
    Er wirft der Bush-Regierung vor, den Krieg “reckless” begonnen zu haben (S. 13). Schwierig ist die Übersetzung: “reckless” kann man übersetzen mit:
    “sorglos, unbesonnen, leichtsinnig, tollkühn, rücksichtslos, unbekümmert” (Cassell).
    Pollack hebt besonders hervor, dass die Politik des “Containment” versagt habe, aber seine Empfehlung ist, dass man hätte zuwarten sollen. Leider haben und wollen wir nichts von Pollacks Schriften vor dem Krieg studieren.

Immerhin lehrt diese gute Arbeit, dass der Grundsatz, dass die vertiefende Beschäftigung mit einem Thema für eine Ja/Nein-Entscheidung kontraproduktiv ist, nach wie vor richtig ist.

{Hoch lebe die intuitive Intelligenz}

 

Networkcentric Warfare: geblättert

12. Januar 2004

Heute können wir wieder aus der Hängematte arbeiten, denn wir begnügen uns mit dem Hinweis auf fleissige Zeitgenossen. Gleichzeitig bedauern wir alle diejenigen, die nicht aus Neigung das lesen müssen, was die amerikanischen Freunde vom DoD ihrem Parlament zum Thema “netzwerk-zentrierte Operationsführung” (NetOpFü) zusammengeschrieben haben:
http://www.defenselink.mil/nii/NCW/

Das sind richtig dicke pdf.-Dateien mit Hunderten von Seiten (wir haben - wegen dringender anderer Arbeiten - noch nicht einmal geblättert).

{Lesen verdirbt einem nur das Urteil}

 

EU-Forschung: im Jetzt?

9. Januar 2004

Auf der unverzichtbaren Website des geschätzten Giovanni de Briganti haben wir eine Meldung des “Cordis News Service” vom 7.1.04 zum Thema “Vorbereitende Aktion der strategischen Agenda für Sicherheitsforschung” der EU gefunden:
http://www.defense-aerospace.com (dann am besten bei SEARCH eingeben: Erkki Liikannen; danach wählen “EU moves Forward On Defense R&D, (8. Jan.)

Erkki Liikanen, EU-Kommissions-Mitglied “for Enterprise and the Information Society”, will das EU-Parlament dazu bewegen, 15 Mio. EUR dafür bereitzustellen, dass eine “group of personalities” aus Industrie, Wissenschaft und Politik die zukünftigen Anforderungen für eine Sicherheitsforschung in Europa beschreibt.

Für die Start-Phase hat man fünf prioritäre Bereiche ausgemacht:

  • “improving situation awareness,
  • optimizing security and protection of networked systems,
  • protecting against terrorism,
  • enhancing crisis management,
  • achieving interoperability and integrated systems for information and communication”.

Der “finale Zweck” der Aktion sei, eine effektive Kooperation zwischen den nationalen Forschungsprogrammen im Gebiet der globalen Sicherheit zu erreichen. Kommissioner Liikanen meint, dass es man sich nicht leisten könne, noch weiter hinter den USA zurückzufallen.

Nach dem ohne Wehgeschrei vorerst vonstatten gegangenen Ableben der EU-Verfassung, und damit auch der EU-Rüstungsagentur, erstaunt, dass sich ein EU-Kommissions-Mitglied in die Bresche der kooperativen EU-Verteidigungsforschung wirft. Die war u.E. noch nie wirklich operatives (deklaratorisch ja) Thema der EU-Kommission.

Eile wäre freilich geboten, denn im Kern der Zukunft der netzwerkzentrierten “Operations(Krieg)-Führung” stehen Kürzel. Der U.S-Konkurrent hat sich im militärischen Bereich bereits mit 17 Mrd. US$ definitiv auf den Standard des Informationsprotokolls Version 6 (IPv6) festgelegt (eines unserer Lieblings-Themen; in Buchhandlungen ist bereits ein Buch mit dem Titel IPv6 zu finden). Der “freundliche Hegemon” wird 101 Bodenstationen samt xSatelliten installieren. Wenn das liebe Europa 2008 (oder so) sein GPS-”Gallileo” starten wird, hat es noch Geld, die nötigen IPv6-Piepser in den All zu starten? Und das Thema reicht herunter bis zur interoperabelen Polizeifunkerei mit Tetrapol oder sonstwas (milliardenschwere Konkurrenzen).

Eine der wichtigsten Aufgaben der Journaille ist, die Wiedervorlage zu pflegen (oder Petra Pinzler von der ZEIT in die EU-Recherche zu schicken).

{Sun Tsu sagt: “Die Zukunft muss sich im Jetzt finden”}

 

Irak-Arsenal: so einfach

8. Januar 2004

Wer sich noch immer für das Phänomen der irakischen Massen-Vernichtungswaffen interessiert, sollte sich wenigstens die 10 Seiten des Artikels von Barton Gellmann, “Iraq’s Arsenal Was Only on Paper”, Washington Post, 7. 1. 04, in den Drucker und ins Archiv schicken:
http://www.washingtonpost.com/wp-dyn/articles/A60340-2004Jan6.html

Lesen muss man das nicht unbedingt, denn die Überschrift sagt alles. Wer allerdings auf unvordergründige Motiv-Suche gehen will, muss durchhalten. Denn es ergibt sich ein plausibeles Erklärungsmuster, welches nicht den Charme allgemeiner Akzeptanz ausstrahlt:

  • Im allgemeinen Umfeld des Irak nach 1991 haben die Wissenschaftler unter dem Druck des Saddam-Regimes (und vielleicht auch etwas eigener Profilierungs-Sucht und/oder reinem Überlebenswillen) Projekte vorgeschlagen, die technisch kaum valide, dafür aber enorm teuer waren.
     
  • Und unsere Interpretation schimmert bei Gellmanns Artikel durch: Die ausländischen Geheimdienste, allen voran die CIA, hat dazu die “Witterung” mitbekommen. Wenn man die noch mit den technischen Expertisen der eigenen Wissenschaftler mixt und hochrechnet, kann nur Explosives dabei herauskommen; vor allem, wenn alles sowieso so streng geheim ist und die Paranoia zum Amtseid gehört - und die Einschränkungen (may und if und possible).

Hemdsärmelige Zeitgenossen haben deshalb die Geheimdienst-Arbeit spätestens seit dem Irak-Fall ad acta gelegt. Wenn es so einfach wäre.

{Alles kann nur ganz einfach sein - aber bitte nicht so einfach}

Nachtrag: Maybe (9. Jan. 04):

Damit die Bytes Ihre Festplatte zum Bersten bringen, sollten Sie unbedingt die gestern veröffentlichte Studie des “Carnegie Endowment for International Peace” herunterladen:
http://www.ceip.org/files/pdf/Iraq3FullText.pdf (dauerte heute wahnsinnig lange - Geduld!)

Ein Blick auf die Tabellen auf den Seiten 27, 32, 37 und 41 reicht eigentlich:

  • Aus dem “Probably, Maybe, Not sure” der U.S.-Intelligence-Berichte über die irakischen Massen-Vernichtungswaffen wurde ein YES der U.S.-Administration; und die “Evidence since March 2003” ist durchgängig NO (wenn man allerdings den Kasten-Text liest, ist es doch nicht ganz einfach Yes und No);
     
  • Fraglich ist, ob die Lager-Politiker je doch schon etwas differenzierendes Maybe von Analysten im täglichen Hau-Drauf gebrauchen können. Wir erinnern uns an das in den Medien verdreht dargestellte “Vanity-Fair”-Interview mit dem stellv. U.S.-Verteidigungsminister Paul Wolfowitz. Er hat deutlich gemacht, dass der Rückgriff auf die irakischen Massen-Vernichtungswaffen nur der von der US-Administration vorgezogene “Verkaufstrick” war. Den (nach seiner Meinung ) wirklich prioritären Grund, die “Umwälzung” der politischen Verhältnisse in Nah-Ost, sah man - gegenüber der (Welt-)Öffentlichkeit augenscheinlich als nicht so formidabel an, was in der Systematik wiederum so falsch auch nicht ist.

{Maybe}

 

Herfried Münkler: Liebe Last

Wer lange nicht vom Elfenbeinturm der Meta-Sicherheitspolitik geschaut hat, sollte sich von Professor Herfried Münkler (Humboldt-Uni Berlin) dessen 5-Seiten-”Botschaft der Athene” ins Netzwerk ziehen lassen:
http://www.fr-aktuell.de/ressorts/nachrichten_und_politik/dokumentation/?cnt=362497

Der brillant formulierende Shooting-Star der deutschen sicherheitspolitischen Strategie-Szene hängt sich an Robert Kagans induzierter Klassifizierung von Mars (USA) und Venus (Europa) auf und kommt nach einem, an Harald Schmidts Playmobil-Spiele erinnernden, Parforceritt durch die Psychogrammatik der antiken Götterwelt zu der Empfehlung, Europa solle sich doch in seiner Sicherheits-Strategie des Vorbilds der Athene (auch Athena Parthenos genannt) annehmen, bei der bekanntermassen alles vom Allerfeinsten ist:

  • “... die von keiner Mutter geboren wurde, sondern erwachsen und in voller Rüstung dem Haupt ihres Vaters Zeus entsprang, will von nichts und niemandem abhängig sein ..
  • ist das Programm des Sich-selbst-genug-Seins, die inkarnierte sexuelle wie emotionale Autarkie. Dabei ist sie alles andere als spröde und dem Umgang mit Menschen und Halbgöttern keineswegs abhold.
  • Im Gegenteil: Sie ist die Gefährtin und Beschützerin, um nicht zu sagen: Freundin der jungen tapferen Männer. Wo die in Gefahr stehen und der Gefahr standzuhalten bereit sind, da ist Athene ihnen nahe und gewährt ihnen Rat und Hilfe.”

Ganz beachtlich bei Münkler ist, dass seine EU-Athene nur in Sachen Helm und Speer nicht dem Soll entspricht (“Die in ihr verkörperte Handlungsfähigkeit auch und gerade in militärischen Fragen muss von den Europäern erst wieder zurückgewonnen werden ...”). Geradezu superb ist Münklers Formulierung, dass Athene nicht auf “entgegenkommende Verhältnisse” angewiesen sei. Unübertroffen sind die Schluss-Formulierungen, die Joschka Fischer als Analphabeten ausweisen:

  • “... wenn die Liebe nicht als Lust, sondern wirklich als Last wahrgenommen wird. Solche Last ist die langfristig ausgelegte Liebe zu einer robusten Strategie des Stabilitätsexports.”

Mit anderen (polemischen) Worten: Es ist eine Last, aus Liebe Menschen zu töten (töten zu müssen). So man in aller Ruhe darüber nachdenkt und entsprechende Werte als Eckpunkt hat, ist diese Äusserung nicht nur sehr mutig, sondern auch letztlich makaber ‘richtig’ (Münkler schreibt von “erträglich”). Würde beispielsweise U.S.-Präsident Bush genauso formulieren, wäre der Sturm perfekt (tatsächlich hat er im gleichen Sinne geredet; “Athener” würden sich mit Haarspaltereien herausreden).

Immerhin, Stoff genug für die eigene Positionierung (Mehrheit entscheidet - leider).

{Deine Rede sei ...}

 

SWP-Studie: Netzhaut-Star

6. Januar 2004

Der deutsche Super-Denkpanzer “Stiftung Wissenschaft und Politik” (SWP) hat wieder eine Studie rausgeschossen: Benjamin Schreer, Die Transformation der US-Streitkräfte im Lichte des Irakkriegs, Dez. 2003, Berlin. Auf der Website www.swp-berlin.org ist leider nur die Kurzfassung zu finden. Die Haupt-Kapitel der 28-Seiten-Studie sind:

  • “Die Transformation der amerikanischen Streitkräfte,
  • Amerikanische Kriegführung im Irak,
    Auswirkungen auf den weiteren Transformationsprozess der US-Streitkräfte,
  • Implikationen für die europäischen Streitkräfte.”

Sorry, wenn wir wieder nur das zitieren, was uns “wichtig” erscheint (und Hinweis für europäische Parallelen ist):

  • “Während des (Irak-) Krieges befanden sich durchschnittlich vier Aufklärungsplattformen in der Luft und generierten Aufklärungsdaten”;
     
  • “... kamen zehn(!) verschiedene UAV-Typen zum Einsatz”;
     
  • “Über 800 Marschflugkörper wurden über große Distanzen hinweg von Schiffen und U-Booten zum Einsatz gebracht. Von 29.000 eingesetzten Bomben waren 68 Prozent präzisionsgesteuert”;
     
  • Freund-Feind-Kennung: “Hier kam erstmals das Force XXI Battle Command Brigade and Below System der US-Army zum Einsatz. Über 1.000 Landfahrzeuge der US-Army, der US Marines und der britischen Streitkräfte wurden mit diesem System ausgestattet” (es waren “nur” 1.000);
     
  • “Zudem fehlte es den Informations- und Kommunikations-Systemen an ausreichender Bandbreite, um die erforderliche Kommunikationsdichte vollständig abdecken zu können”;
     
  • “Die Logistik konnte mit dem schnellen Vormarsch der Landstreitkräfte kaum mithalten, so daß es zeitweise zu erheblichen Engpässen an Lebensmitteln und Brennstoff für die vordersten Truppen kam”;
     
  • Zum Thema “Spezial-Kräfte”:
    “Waren in Afghanistan 500 Mann dieser Einheiten eingesetzt, betrug ihre Anzahl während des Dritten Golfkrieges 10.000 (!) ... Sie waren für 20 Prozent aller Zielanweisungen während der Operation verantwortlich”;
     
  • Die Aussagen zur Kooperation mit den britischen Streitkräften soll deren Leistung sicherlich nicht mindern:
    - “So konnten nur aufgrund der guten Arbeitsbeziehungen und des besonderen Vertrauens zwischen den beiden Partnern amerikanische Aufklärungsinformationen an die britischen Offiziere weitergegeben werden”;
    - “So stellte die britische Luftwaffe gerade 6 Prozent aller während des Krieges eingesetzten Flugzeuge, ihr Anteil an allen eingesetzten Präzisionsbomben betrug nur 3 Prozent”;
    - “Personal und Material der britischen Streitkräfte erreichten laut Admiral Sir William Boyce, Chief of Defense Staff während des Krieges, die Grenze der Belastbarkeit”.

In ungebrochener Arroganz müssen wir leider feststellen, dass die Abhandlung des Themas, vor allem hinsichtlich des europäischen und deutschen Bezuges, noch ihres (deutschen) Meisters harrt:

  • Trotz der richtigen Bemerkungen von Benjamin Schreer im Absatz “Fazit: Erfolg unter Vorbehalt” (S. 20) leitet er von der ausgesprochenen “Papier”-Fassung der Anthony Cordesmann-Arbeit über die irakische Streitmacht eine Stärke von 400.000 Mann ab (Anm. 62). Die sind nie und nimmer angetreten.
     
  • Kurzgefasst war der Irak-Krieg:
    - eine ohne jegliche See- und Luftmacht - mit einer Armee-Stärke von grob 50.000 Soldaten - ausgestattete irakische Angelegenheit, die gegen einen
    - in drei Monaten planvoll und ungestört aufmarschierenden,
    - mit 10-jähriger Lufthoheit über zwei Dritteln des irakischen Staatsgebietes,
    - mit fast absoluter Luftherrschaft vom ersten Kriegstage an,
    - und einem mit unvorstellbarem Material-Ansatz kämpfenden Technologie-Gegner kämpfen sollte. Dass die Amis dabei auch ein paar “nitty grittys” hatten, ist nun wirklich nicht verwunderlich.

Natürlich ist es nicht ganz einfach, alle Dimensionen des Gesamt-Problems richtig “im Auge” zu haben, aber kann es denn sein, dass Benjamin Schreers Schlussfolgerung (S. 6) wirklich richtig ist?:

  • “Die Umstellung auf vernetzte Operationsführung eröffnet der Bundeswehr die Chance, bestehende Fähigkeitslücken gegenüber den USA oder den europäischen Verbündeten zu minimieren beziehungsweise zu schließen.”

Es kann eigentlich nur an der Netzwerk-Ablösung unseres alten Auges liegen - es muss etwas mit grünem oder grauen Star zu tun haben.

{Die Bundeswehr sucht den Netzhaut-Star}

 

Preview 2004: Aua

5. Januar 2004

Für 2004 haben wir uns vorgenommen, alles zu verlieren, nur nicht den Überblick. Als erstes stellen wir dazu fest, dass es in Sachen Verschwörungs-Theorien eine nicht zu überbietende Lücke gibt: Ein Million-Seller könnte geschrieben werden über die geschichts-treibenden Absichten der dunklen Mächte (Mehrzahl?), die sich das Rad der Geschichte als Spiegelei in die Pfanne hauen wollen. Was hat die jüdisch-kapitalistische Welt-Verschwörung von Bush, CIA und sonstwem in 2004 vor? Schaffen sie den Durchbruch und beherrschen die ganze Welt?:

  • Wie haben die wieder die Mars-Landung geschafft? (Alles nur TV! Und den Europäern haben sie Niespulver in die Spürnase geblasen);
     
  • Welche PSI-Tricks haben die Afghanen dazu gebracht, sich auf die neue Verfassung zu einigen, die auch noch die Gleichberechtigung der Frau verankert? (mit der PSI-MOB,Mother-of-all-Bombs);
     
  • Warum verschweigt US-Army-General Martin E. Dempsey, 1st Armored Div., bei seinem Briefing in Bagdad am 31. 12. 2003, um wieviel Prozent die Terror-Attacken nach der Festnahme von Saddam Hussein zurückgegangen sind? (Alles Lüge!);
     
  • Welchen miesen Trick haben die anglo-amerikanischen Geheimdienst-Rambos angewendet, um den armen Ghaddafi umzudrehen? (Sie haben ihm versprochen, ihn einzufrieren und dann aufzutauen, wenn Douglas die ultimative “Ever-Young”-Beauty-Creme im Angebot hat).

Wir bevorzugen etwas ernsthaftere Literatur, um über die verbleibenden 361 Tage (= 8.664 Stunden, = 519.840 Minuten, = 31.190.400 Sekunden) des Schalt-Jahres 2004 zu räsonieren. Sie ist aber nur Jenen im christlich-jüdischen Kulturkreis zu empfehlen, die nicht der Meinung sind, dass der Mensch Herr und Meister aller Dinge ist. Gemeint sind die Bücher, die zum Phänomen “Bibel Code” erschienen sind (Bohlen-Klasse für Halb-Intellektuelle):

  • Jeffrey Satinover, Die verborgene Botschaft der Bibel; München 1997. Wissenschaftler ist der Autor, aber auch nicht ganz frei von egozentrischer Arroganz (wer ist das schon?). Er lehnt “Zukunfts”-Prognosen ab, zeigt aber überzeugend die “Qualität” des Bibel-Code-Ansatzes;
     
  • Michael Drosnin, Der Bibel Code; München 1997, und Bibel Code II, München 2002. Der Journalist badet teilweise in sich selbst und auf der Halbinsel Lisan am Toten Meer (Kapitel am besten überschlagen).

Allen Eitelkeiten zum Trotz und bei Wahrung aller gebotenen Distanz sollte man zum Thema 2004 die Seiten 252 ff. nicht übersehen:

  • In der computer-unterstützten, mittels der Methoden der Krypthologie durchgeführten  Ent-Codierung der Bibel erscheint zum Jahr 2004:
    - “New York,
    - in 5761/2001,
    - in 5764/2004,
    - vom Feuer einer Rakete” (S. 255).

Wer in seinem Hunger nach der Meta-Ebene immer noch nicht genug hat, sollte sich den Namen Gerda Johst merken. Uns persönlich bekannt und “geprüft”, bietet sie eine grandiose Sicht der Dinge, die für “Ungläubige” sehr problematisch wird. Ihr jüngstes Werk, “Ein Fenster zum Kosmos” (Daten bei libri.de eingeben), fügt der Palette der “Verschwörungs-Theorien” eine Variante bei, die Nachdenker um den Verstand bringen könnte:

  • “Die schwingenden Wellen (der Materie, d. Verf.) werden sich erhöhen” (S. 284).

Natürlich sollte man nicht überlesen, dass von einer “schwärzesten Nacht” die Rede ist, die von Menschenhand verursacht wird.

Keine Sorge, ab morgen kommen wir wieder ganz auf die Erde und kuscheln uns auf der Heide.

{Wer nicht spinnt, nix gewinnt / willste nicht bor’n, haste verlorn - aua}

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